Goden und Gydjas

 

Die Priester der Germanen hießen und heißen Goden bzw. weiblich Gydjas. Diese Bezeichnung ist seit 2 Jahrtausenden überliefert, und zwar in allen germanischen Ländern: In Skandinavien durch Runensteine und Sagas, in Deutschland in althochdeutschen Glossen, bei den Ostgermanen in Wulfilas Schrift.

„Goden“ sind Menschen, die als Priester in Verbindung mit den Göttern stehen. Es gibt Überlieferungen, wonach sie in Godenschulen ausgebildet, rituell eingeweiht und auf dem Thing (der Volksversammlung) von den Menschen in einer Wahl angenommen wurden. Die Goden leiten die Feste, verkünden und lehren die heidnische Religion. Es gab auch Goden mit höherem Rang, „Diar-Goden“ genannt, deren Aufgabe es war, das von mehreren Goden abgehaltene Thing zu heiligen und zu leiten. Im alten Island gab es 39 Goden und 12 davon waren Diare.

Die Diare wählen aus ihrem Kreis einen obersten Goden, genannt Allsherjargode oder Gotuater (Godenvater). Der Allsherjargode ist der oberste Gode eines Stammes. Es gibt Hinweise, daß es auch Allsherjargoden für mehrere Stämme gegeben hat, so den Coifi, der der Stammespriester für die Stämme der Angeln und Sachsen war, oder die Stammespriesterin Veleda, die nicht nur für den Stamm der Bructerer, sondern auch der Chaucen, Marser, Usipier, Chatten u. a. zuständig gewesen ist.

Goden waren keine bloßen gewählten Kultleiter oder –beamte, sondern ganz eindeutig bestand auch bei den Germanen ein spirituelles hierarchisches Priestertum, vergleichbar mit den keltischen Druiden. Daß zuweilen Goden weltlich interpretiert werden liegt daran, daß es die Goden als weltliche Häuptlinge auch im christlichen Island noch gab und die Sagaschreiber dieses weltliche Godentum unbewußt auch in die heidnische Zeit zurückdatierten.

Goden tragen ein weißes langes Gewand und zum Opferfest einen roten Überwurf. Zeichen der Godenwürde ist der offene Armring, der eine symbolische Fessel an die Gottheit darstellt.

Im heutigen germanischen Altheidentum gibt es Goden und Gydjas, außerdem den Allsherjargoden. Diar-Goden gibt es derzeit noch nicht.

Im Neoheidentum gibt es keine Goden oder es wird diese Bezeichnung für gewählte oder selbsternannte Kultleiter verwendet, die aber weder über eine Ausbldung, noch eine Weihe durch den Allsherjargoden verfügen. Auf Island ist die Bezeichnung „Allsherjargode“ lediglich ein Name für das Amt des Vereinsvorsitzenden, auch hier gibt es keine Ausbildung oder Initiation.

 
Allsherjargode v. Nahodyl Neményi und Priesterin Sigrun v. Schlichting bei einem Ritual beim WCER.
 

Die historischen Quellen sowie eine vollständige Darstellung des germanischen Priestertums finden Sie in dem neuen Buch von Baron Árpád v. Nahodyl Neményi, Goden - Die heidnischen Priester der Germanen, Norderstedt 2016, 12,80 €, ISBN 978-3-7322-8352-1.

Literatur (Auswahl):

Baron Árpád v. Nahodyl Neményi, Goden - Die heidnischen Priester der Germanen, Norderstedt 2016 (12,80 €);
Thorsteinn Gudjónsson, Thingvellir - The Parliament Plains of Iceland, Reykjavík 1985;
Paul Herrmann, Das altgermanische Priesterwesen, Jena 1929;