Bei dem folgendenden Arikel handelt es sich um urheberrechtlich geschütztes Material des Allsherjargoden Géza von Neményi, des obersten altheidnischen Priesters in Deutschland. Nachdruck, auf Internetseiten oder Server setzen und jegliche andere Verwendung sind ohne Genehmigung untersagt und werden zivilrechtlich verfolgt. Hier geht es zur Startseite.

 

Heidentum und NS-Ideologie

 

Immer wieder versuchen Autoren, die Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG), ihren Gründer und Leiter, Prof. Ludwig Fahrenkrog, oder andere heidnische Gemeinschaften als Vorreiter der rassistischen NS-Ideologie hinzustellen. Dieses Vorurteil wird offenbar bewußt geschürt, um das germanische Heidentum zu diskreditieren. In dieser Darstellung soll die historische Wahrheit aus Quellen des GGG-Archivs gezeigt werden. Es geht mir nicht darum, die Kirchen anzugreifen, aber es ist auch nicht hinnehmbar, daß Kirchenvertreter (Sektenpfarrer) und Ideologen die heidnischen Bewegungen in eine völkisch-nazistische Ecke stellen, obwohl die Heiden unter dem NS-Regime sehr gelitten haben, während die Kirchen willfärige Handlanger der Nazis waren, sich Privilegien sicherten und sich teilweise zur NS-Ideologie offen bekannten. Deswegen ist diese Richtigstellung leider nötig.

 

Reuter und Fahrenkrog.

Die GGG wurde im Jahre 1907 in Wien unter dem Namen "Wodangesellschaft" durch Josef Weber gegründet. Gleichzeitig (24. März 1907) veröffentlichte Ludwig Fahrenkrog seinen ersten "Germanentempel"-Aufruf in der Lehrerzeitschrift "Der Volkserzieher" (11. Jg. Nr. 6, S. 42f), der zur Gründung der Gemeinschaft führte.

Auf dem Allthing 1912 in Thale kam es zur Abspaltung von der Richtung Otto Sigfrid Reuters. Dieser hatte unabhängig 1911 einen Deutschen Orden und eine eigene Deutsch-religiöse Gemeinschaft ins Leben gerufen. In Briefen bekräftigen Fahrenkrog und Reuter, daß sie sich als Teile ein und derselben Gemeinschaft betrachteten. Es kam 1912 zu einer Trennung in zwei Gemeinschaften, weil Reuter grundsätzlich ein religiöses Bekenntnis ablehnte. Es gab verschiedene Versuche, beide Gemeinschaften miteinander zu vereinigen, doch diese scheiterten.
Zum Bruch mit den "Deutschen Orden" und Reuters abgespaltener Gemeinschaft (die sich später in "Deutschgläubige Gemeinschaft" - DG - umbenannte) kam es deswegen, weil die GGG ein Mitglied jüdischer Abstammung in ihren Reihen hatte: Dr. Ernst Wachler (Wachlers Mutter war jüdischer Herkunft). Wachler war Inhaber des Harzer Bergtheaters, in dem einige Theaterstücke von Ludwig Fahrenkrog aufgeführt wurden, und dort wurden auch verschiedene Allthinge der GGG abgehalten. O. S. Reuter (Halbbruder des Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter) verlangte von der GGG, die damals von Wilhelm Schwaner und Fahrenkrog geleitet wurde, Ernst Wachler nicht auf ihren Thingen reden zu lassen. Dazu war die GGG nicht bereit. So blieb es bei einer Trennung von GGG und DG. In einem Brief des Deutschen Ordens an die GGG heißt es:

»Im Hornung oder Lenzmond (der Tag kann leicht bestimmt werden) hat Prof. Fahr. unseren O. Br. R. [Ordensbruder Reuter] gefragt, ob wir an einer Tagung mit Dr. W. [Wachler] zusammen in Thale teilnehmen würden. R. [Reuter] hat sich sofort ablehnend geäußert, das Dr. W. als deutschjüdischer Mensch den Voraussetzungen unseres Vertrages nicht entspreche (...) Als deutschreligiöse Menschen können wir - auch vertragsmäßig - nur echtgeborene Menschen ansehen, wenn wir auch persönlich gegen Dr. W. nichts haben wollen (...) Ihre gedruckte Einladung verspricht, man wolle "unter sich" sein und doch wird der persönlich sehr ehrenwerte aber doch nach unserem Vertrag nicht zu uns gehörige Dr. W. als ein Hauptredner aufgestellt. Leider muß jetzt für uns daraus hervorgehen, daß Fahr. unseren Einwand (der unsere Teilnahme ausschloß) nicht beachtet und insofern muß die fragliche Stelle sich auch gegen F. richten. Hätte F. den Frieden gewollt, so hätte er unserem berechtigten Einwand nachgegeben und daraufhin unsere Teilnahme nochmals angeregt«.

(Brief von Dr. Hunkel vom Deutschen Orden an die GGG vom 27. S. 1914, in: A. Conn, "Geschichte der Deutschgläubigen" Bd. 1, S. 162f). Im Klartext heißt das: Fahrenkrog ließ eine mögliche Vereinigung der GGG mit der Deutschgläubigen Gemeinschaft und dem Deutschen Orden fallen, weil er nicht bereit war, auf Dr. Wachler als Hauptredner auf dem Allthing zu verzichten. Daraus wird ganz klar ersichtlich, daß Fahrenkrog die jüdische Abstammung Wachlers nicht interessierte. Somit kann man Fahrenkrog keinen Rassismus unterstellen.

 

Abstammungsforderung.

Erst später findet sich die Vorschrift, daß Mitglieder der GGG germanischer Abstammung sein müßten. Diese Forderung ist ursprünglich nur in Hinblick auf eine mögliche spätere Vereinigung mit der Deutschgläubigen Gemeinschaft (DG) eingefügt worden und kann nicht als rassistisch gedeutet werden, da eine Festlegung auf einen bestimmten Personenkreis nicht automatisch eine Abwertung anderer Personen bedeutet.

Dabei muß kurz definiert werden, was unter "Rassismus" überhaupt zu verstehen ist. Daß es verschiedene Rassen auch beim Menschen gibt, ist eine - wenn auch unpopuläre - biologische Tatsache. Eine "weiße" Rasse gibt es nicht, sondern in Europa finden wir ganz verschiedene Rassen. Sie tragen meist Bezeichnungen nach ihrem vermutlichen Herkunfts- oder Verbreitungsgebiet. (z. B. nordisch, westisch oder ostisch). Die verschiedenen Rassen haben unterschiedliche Anlagen, Temperamente, Aussehen usw. Man kann auch von "Mentalität" sprechen. Diese Mentalität ist durch Anpassung an ein bestimmtes geographisches Klima, durch eine bestimmte Ernährung usw. entstanden und wird wohl auch weitervererbt. Diese Tatsachen festzustellen bedeutet noch keinen Rassismus. Rassismus ist die böswillige Herabsetzung einzelner Rassen und die Aufwertung anderer Rassen. Jede Rasse hat sogenannte gute und schlechte Eigenschaften. Es gibt keine Rasse mit nur guten, und eine andere mit nur schlechten Eigenschaften. Auch die Bewertung einzelner Anlagen als "gut" oder "schlecht" ist schon zweifelhaft, denn was für den einen Menschen gut ist, kann für den anderen schlecht sein und umgekehrt.

Die offiziellen Zielsetzungen der GGG enthalten keinerlei Herabsetzung von anderen Rassen oder Aufwertung der eigenen Rassen. Zwar verstand sich die GGG lediglich als für Germanen zuständige Glaubensgemeinschaft, damit ist aber keine Herabwürdigung von Angehörigen nicht-germanischer Abstammung verbunden. Wenn die Freimaurerlogen nur Männer aufnehmen, ist das noch keine Herabwürdigung der Frauen.

Fahrenkrog schrieb auf eine Falschdarstellung über die GGG (von Pfarrer Bock in Nr. 155 des Witzenhausener Tageblattes, Anf. Juli 1925) zur Richtigstellung:

»Richtigzustellen wäre zunächst: Die Germanische Glaubens-Gemeinschaft ist keine politische, keine antisemitische, keine antichristliche Gemeinschaft, sie ist auch nicht Produkt einer Kriegspsychose, sondern ihr Anfang findet sich in "Fahrenkrog, Geschichte meines Glaubens 1906/ Verl. Gebauer-Schwetschke Halle a. d. S." [...] Weiter: daß wir mit Parteipolitik nichts zu tun haben, ergibt sich schon daraus, daß in der G.G.G. alle Parteien von rechts bis links vertreten sind, wie etwa in der Christenkirche auch. [...] Ferner: Wir sind eine Germanische Glaubens-Gemeinschaft, d. h. also: "Nichtgermanen" haben in dieser nichts zu suchen, wie der Schuster keine Berechtigung in der Bäckerinnung hat, ohne daß damit gesagt sein kann, daß die Bäckerinnung eine Antischustergilde wäre. Man soll doch "vernünftig" bleiben. Wie der normale Mensch seinen Geburtstag etc. um seinetwillen feiert, ohne seinem Nächsten vor den Kopf damit stoßen zu wollen, oder wie ein Familientag - ohne Bezugnahme auf Außenstehende - gefeiert wird, so wollen wir als Germanen unter uns sein und religiöse Gemeinschaft pflegen. Auch sind wir, wie der Name besagt, keine christliche Gemeinschaft, das heißt auch keine Anti- sondern eine Nichtchristliche Gemeinschaft. Also wir sind positiv, nicht negativ. Positiv germanengläubig.
Die Juden, Buddhisten, Jainisten usw. sind gleichfalls nicht antichristlich, sondern gleichfalls nur nichtchristlich, und man läßt doch diese auch in Ruhe ihre Tempel bauen. Oder darf der Deutsche jeden andern Glauben haben, nur keinen deutschen? Das wäre ja gradezu wider alle Natur und Selbstbestimmung, wäre roh und überaus gehässig.«

Nun bleibt die Frage, warum die GGG nur Germanen offenstehen wollte. Hat man Nichtgermanen etwa als mindere Menschen angesehen? Nein. Es ging lediglich darum, die eigene, im Menschen enthaltene Sittlichkeit und Ethik hervorzuholen. Es handelt sich um eine Art religiöser Selbstverwirklichung der Germanen. Und man nahm damals an, daß jedes Volk eine etwas andere innere Ethik besäße, so daß mit der Aufnahme von Nichtgermanen auch eine andere, den Germanen vielleicht fremde Ethik in die Gemeinschaft getragen werden würde, was man vermeiden wollte. Dazu gehört z. B. auch die biblische Ethik, die als für Germanen unpassend angesehen wurde und wird. Daß man auch hierbei nicht dogmatisch vorging, belegt der Fall Dr. Wachlers, der wegen seiner jüdischen Abstammung später sogar in ein Konzentrationslager in der Czechoslovakei kam und dort 1945 unter ungeklärten Umständen verstarb. Die GGG hielt auch in einer Zeit des Höhepunktes der antijüdischen Hetze des Nationalsozialismus zu Dr. Wachler. So drucke Fahrenkrog Artikel von Dr. Wachler in der Zeitschrift der GGG, "Nordischer Glaube" ab, was in dieser Zeit sicher einigen Mut benötigte (z. B. in "Nordischer Glaube" 1/1939, S. 4). Viele Jahre später hat Ludwig Dessel, der nach Fahrenkrogs Ableben Vorsitzender der GGG wurde, in einem privaten Brief an Charlotte Fahrenkrog vom 16. 2. 1958 (Bl. 12f) ausgeführt:

»Es muß die Möglichkeit bestehen. daß wir erklären können: "Mit den Verbrechen Hitlers und seines Kreises hat die GGG nichts zu tun! Hegung der eigenen Art ist kein Rassenwahn! Germanischer Artglaube ist kein "Wille zur Macht", hat nichts mit der Verfolgung Andersartiger wegen ihrer Art zu tun! Oberstes Gebot unseres Handelns muß die Gerechtigkeit sein. Wer z. B. stiehlt oder betrügt, verfällt dem Richter, sei er weiß, schwarz oder gelb, Deutscher, Engländer, Jude oder Chinese!" Es ist selbstverständlich, daß die Ungenannten auch gemeint sind.«

Wenn man das Vorhandensein der Abstammungsforderung in der GGG dieser vorwerfen will, dann sollte man nicht übersehen, wie die Kirchen zu dieser Frage standen. Im Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Kirchenbeamten der Evangelischen Kirche heißt es:

»§ 1. (1) Als Geistlicher oder Beamter der allgemeinen kirchlichen Verwaltung darf nur berufen werden, wer die für seine Laufbahn vorgeschriebene Vorbildung besitzt und rückhaltlos für den nationalen Staat und die Deutsche Evangelische Kirche eintritt.

(2) Wer nicht arischer Abstammung oder mit einer Person nicht arischer Abstammung verheiratet ist, darf nicht als Geistlicher oder Beamter der allgemeinen kirchlichen Verwaltung berufen werden.

Geistliche oder Beamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen«.

(Aus: Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Judenfrage, Genf 1945, S. 35f).

 

Ausstellungsverbot.

Im Jahre 1933 wurde eine Kunstausstellung mit Fahrenkrogbildern verboten. In einem Brief Ludwig Fahrenkrogs an seinen Schwiegersohn Adolf Gerster vom 1. 9. 1933 heißt es:

»Lieber Dolf! Herzlichst Dank für liebes Schreiben! Ich weiß. Aber abgesehen von mir, hätte ich Dich auch gerne mit einer Ausstellung, die sich sehen lassen konnte, für alle Deine Liebe und Anteilnahme fürs Ganze erfreut. An den Erfolg glaubten ja sogar meine Widersacher. Um eine belanglose Ausstellung von irgendeinem hätten sie kaum den Apparat in Bewegung gesetzt. Vom Oberbürgermeister habe ich noch keine Nachricht. Rolf schrieb mir - das klärt vielleicht das Schweigen auf. Er war im Propagandaministerium. Die zuständigen Herren waren in Urlaub. Die Stellvertreter erklärten: nicht kompetent zu sein. (Derohalber kam der Oberbürgermeister wohl vorläufig nicht zu Rande.) Dann hat Rolf den Herrn v. Gronow geschnappt. Dieser hat Erhebungen angestellt: Verbot ging vom Propagandaministerium aus. Aktenzeichen 2005 - Schreiben vom 11. 7. (!) unterzeichnet vom Staatssekretär Funk. v. Gronow veranlaßte dann die badische Vertretung im Reich Karlsruhe anzutelefonieren. Badisches Landesministerium erklärte ahnungslos zu sein. Offiziell sagte man Rolf: Ich müßte Eingabe ans Badische Ministerium machen und die Sache den Instanzenweg gehen lassen. (Dann sind wir allerdings glücklich über den Termin rüber.) Inoffiziell erfuhr Rolf vom selben Herrn, daß in der Kunstabteilung gewisse Herren ganz bestimmte Richtungen vertreten. Rolf hat dann wörtlich hinterlassen: "Werden für das Verbot keine Vernunftgründe beigebracht und die Rechtsgrundlage (die es nicht gibt) nicht nachgewiesen, dann behaupte ich: Die ganze Angelegenheit ist eine persönliche Intrige". (Das hat man vorläufig eingesteckt) - Weiter hat er gesagt, daß es vom Ministerium nicht zu verantworten sei, wenn es in verantwortlichen Posten Leute beschäftige, die von ihrem Beruf keine Ahnung hätten. Die Drahtzieher sind zwar feige, aber doch wohl raffinierter wie v. Waldstein annahm. Zu beachten! Vom 11. 7. datiert das Verbot. Eine erste verlorne Andeutung bekam ich erst am 17. 8. von der Kunsthalle.
Hätte man mir gleich das Verbot mitgeteilt, wären wir sicher schon in Ordnung gewesen oder aber ich hätte die Arbeit einstellen, oder auch mich anderweitig umtun können. Nein, man wartete bis die Bilder schon eintreffen konnten. Vom Oberbürgermeister erfuhr ich dann erst vom Verbot und - irgend ein Grund ist mir bis jetzt -, (auch dem Oberbürgermeister nicht) angegeben. Werde ich auch wohl nie erfahren [...] Was in dieser Stadt möglich ist, ist es auch in der anderen und was mir heute passiert, kann morgen andern passieren. Das käme einer Hinrichtung gleich.«

In einem Kommentar eines Mitgliedes (archiviert zum 23. 10. 1982) wird dazu noch ausgeführt:

»Die Sonderausstellung, die in Mannheim stattfinden sollte und von den derzeit politisch verantwortlichen verboten war, war die Ursache, Prof. Ludwig Fahrenkrog sich für den von der Partei inhaftierten Herrn v. Wallstein eingesetzt hatte und selbiger aus der Haft entlassen wurde.Dieser Einsatz für den Inhaftierten und dessen erwirkte Entlassung, bewiesen die Unschuld von Wallsteins und zugleich, wie einzelne Parteimenschen in Eigenmächtigkeit ihre Position mißbrauchen konnten und können«.

Als im Jahre 1985 der Freundeskreis Fahrenkrog eine Ausstellung von Werken des Meisters in seiner Heimatstadt Rendsburg plante, wollte der Rendsburger Kulturkreis die zum Ausstellungssaal umgebaute ehemalige Synagoge "Bamberger Haus" für die Fahrenkrog-Ausstellung nicht zur Verfügung stellen. Daraufhin schrieb Adolf Persin (Freundeskreis Fahrenkrog) am 20. 5. 1985 an Herrn Heinemann vom Kulturkreis:

»Bitte, sehr geehrter Herr Heinemann, uns ist das gleichgültig, in welchem Haus wir unterkommen. Zu Fahrenkrogs Freunden in Barmen - heute Wuppertal - gehörten auch einige Rabbiner! Ja, und auch das sollten Sie wissen; Fahrenkrog durfte während der Naziherrschaft nicht ausstellen, weil er den Hitlergruß verweigerte!«.

 

Verbot öffentlicher Versammlungen.


Von der Regierung des Dritten Reiches wurde der GGG auch verboten, öffentliche Versammlungen abzuhalten. Lediglich geschlossene Mitgliederversammlungen waren noch erlaubt. Mit Datum vom 23. 3. 1936 richtete der Reichs- und Preußische Minister für die kirchlichen Angelegenheiten (Reichsminister Kerr) ein Schreiben an die GGG (Zeichen: GI 11938/36):

»Auf die Eingabe vom 2. Januar 1936. Nach den Anordnungen des Herrn Politischen Polizeikommandeurs der Länder vom 9. Januar 1936 II 1 B 1 S. 474.35 - sind der Germanischen Glaubensgemeinschaft E. V. geschlossene Mitgliederversammlungen mit persönlich geladenen Gästen gestattet.
Im Auftrage gez. Haugg«.

Dieses Schreiben, welches vorderhand so aussieht, als wenn der GGG hier etwas erlaubt wird, bedeutete in der Praxis: Es durften nur noch geschlossene Versammlungen stattfinden, d. h. es durfte dafür nicht öffentlich geworben werden und es durften nur Mitglieder der GGG daran teilnehmen, nicht z. B. Interessenten, die nur planten, in die GGG einzutreten. Die Mitglieder mußten persönlich geladen werden, d. h. allgemeine Werberundschreiben waren nicht ausreichend. Damit war eigentlich das Ende der GGG eingeleitet, denn Mitglieder können sterben oder austreten, für die Werbung und das Kennenlernen neuer Mitglieder war keine Möglichkeit mehr. Mit der Zeit wäre die GGG ausgeblutet. Außerdem bekamen die Interessenten so gleich mit, daß der Staat die GGG einschränkt, so daß sie schon im Interesse ihrer Karriere oder ihres bürgerlichen Ansehens von einer Teilnahme auf einer solchen Versammlung absahen.

Daß die GGG nicht auch diese Treffen ganz verboten wurden, lag daran, daß die GGG ein e. V. (eingetragener Verein) war, der gesetzlich verpflichtet ist, regelmäßige Mitgliederversammlungen durchzuführen. Ein Verbot dieser Mitgliederversammlungen wäre nur durch ein komplettes Vereinsverbot zu erreichen gewesen. Prof. Ludwig Fahrenkrog war aber als Maler und Dichter weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt (er hatte z. B. den Ehrendoktor der Universität North-Dakota usw.), so daß ein Verbot seiner GGG dem Nazireich im Olympiajahr 1936 negative Schlagzeilen in der internationalen Presse erbracht hätte. Das wollte man vermeiden.
Übrigens: Christliche Gottesdienste waren im Dritten Reich nicht verboten, vielmehr wurde sogar ein Concordat zwischen der NS-Regierung und dem Vatican abgeschlossen.

Spätestens seit diesem Verbot war der GGG klar: Dieser Staat lehnt uns ab. Das hatte sicher auch Auswirkungen auf die weiteren Aktivitäten der GGG. Zeitlich folgte das Verbot dem Ausscheren der GGG aus der Deutschen Glaubensbewegung Hauers. Hauer hatte die Aufgabe, die alten sog. "völkisch-religiösen" Gemeinschaften zusammenzubringen in der dazu gegründeten Dt. Glaubensbewegung. Als ihm dies mit der GGG mißlang (die GGG schloß sich zuerst an - aus Angst vor einem Verbot durch die NS-Regierung - scherte dann aber wieder aus und feierte ab 1935 wieder eigene Treffen), erfolgte das Verbot. Ludwig Dessel schrieb rückblickend im Hartung 1988 (Blatt 3f) darüber:

»Nach 1933 kam der Zusammenschluß einiger Gemeinschaften recht unterschiedlicher Art gegen die Zwangschristianisierung seitens des neuen Staates, der aber bald wieder zerfiel. Von dieser Seite kreidete ein Dortmunder Presseangehöriger (Wilhelm Moser) dem Professor Fahrenkrog an, daß er einen Dortmunder höheren Polizeibeamten, der auch der GGG angehört [...] in einer vertraulichen Aussprache bestätigt habe, daß er nicht mit allen Entscheidungen der NSDAP usw. einverstanden sei. Aus dem engsten Kreise von Prof. Jakob Wilhelm Hauer (Geßberg) kam sogar der Ausspruch - ich war Zeuge! - "Wenn man den Grafen von Rewentlov anstößt, dann staubt es! Wenn man den Professor Fahrenkrog anstößt, dann fällt unten Kalk raus!" (Der Vergleich kann auch umgekehrt gewesen sein.) Um die Zeit veröffentlichte der Schriftleiter Grabert auch ein abwertendes Urteil über Professor Fahrenkrog in seiner Monatsschrift der Deutschen Glaubensbewegung. Von Prof. Hauer wurde auch bekannt, daß dieser die alten Glaubensgemeinschaften wie Germanische Glaubens-Gemeinschaft und Deutschgläubige Gemeinschaft als Krebsschaden seiner Deutschen Glaubensbewegung bezeichnet hat. Durch innere Unruhen in dieser wurde dieser selbst später von seinen ursprünglichen Parteigängern ausgebootet, weil dieser (Hauer) im Verdacht stand, "sich dem Führer Adolf Hitler an die Seite zu setzen"; also gewissermaßen der ''religiöse Arm des Nationalsozialismus" werden zu wollen.«

Mit dem Versammlungseinschränkungen einher ging ein zeitweiliges Verbot der GGG-Zeitschrift "Nordischer Glaube" (1940 umgenannt in "Germanen-Glaube"). Außerdem unterlag die Zeitschrift Einschränkungen, es wurde z. B. kein Papier zugeteilt usw. Ähnlich war es auch mit der Zeitung der GGG-Österreichs ("Die Brücke"), die schon vor dem Anschluß Österreichs verboten worden war. Die nationalsozialistische Regierung Österreichs hielt dieses Verbot weiterhin aufrecht.

 

Zugehörigkeit zur NSDAP.

Auch der Nachfolger Prof. Fahrenkrogs, der damals schon das Gemeinschaftsamt der GGG innehatte, nämlich Ludwig Dessel, gehörte nicht der NSDAP an. In einem Brief an Graf Strachwitz, dem Leiter der GGG-Österreichs vom 13. 7. 1939 schreibt Dessel:

»Nun kommt das, wo Ihr mir Euer Herz ausschüttet: die NSDAP. Ich bin auch nicht Mitglied. Ich gebe ehrlich zu, den Führer anfangs nicht verstanden zu haben. Als dann die schlechten Gewissen zur Partei liefen - die man Märzgefallene und Maiblümchen nennt, - da bin ich erst recht fern geblieben [...] Ich arbeite mit einigen Tröpfen zusammen, die das Abzeichen tragen, und irgend ein Amt haben und demzufolge sich wie Frösche blähen - es ist widerlich..«

Dieser Brief mußte vorsichtig formuliert werden, da die Gefahr bestand, daß die Gestapo ihn kontrolliert. Rückblickend schrieb Dessel am 17. 4. 1954 (BI. 2) an GGG-Mitglied Neubeck:

»Als Hitler die Lateinschrift zur Einheitsschrift machte, wurde mir klar, daß ich nie mit ihm übereinkommen würde, daß seine Kriegsziele andere waren, als ich sie sah, und ich auch für das Deutsche Volk und das Deutsche Volk auch für sich sah. Er hatte überhaupt andere Ziele. Ich darf wohl sagen: Seit der Zeit habe ich ihn gehaßt, weil er ein Kulturgut aufgab, freiwillig aufgab, daß unserem Volkstum doch einen großen Rückhalt gab.«

Dessel bezog sich hierbei auf einen Geheimerlaß vom 3. 1. 1941 (heute im Bundesarchiv Koblenz), mit dem Hitler die deutsche und die gotische Schrift abgeschafft und stattdessen die Lateinschrift der Römer zur neuen Schrift eingeführt hatte. Am 17. 1. 1958 schrieb Dessel an M. Wolf (BI. 3):

»Mutter Fahrenkrog hat mich unlängst für den Auszug aus "Der sittliche Stolz!" gelobt - freilich werden Sie solche Gedanken bei Seibertz und bei L. [Ludendorf] nicht finden - ganz zu schweigen bei dem Mann, aus dessen Munde ich die größte Anspeieung des Deutschen Wesens und Menschen vernommen habe - bei Herrn Dr. Joseph Goebbels nämlich, der sagte: ''Auf die Handvoll Menschen, die nur von Kant und Hegel ernährt werden will, kommt es nicht an!" Ich bin aber stolz, zu diesen generell zu gehören. Derselbe Mann sagte aus: ''Fahrenkrog ist nicht geeignet zur Erziehung des Deutschen Volkes!" (G. hatte schließlich recht: Fahrenkrog ließ sich nicht zur Erziehung des Deutschen Volkes zum Hitlerischen Sumpf mißbrauchen!) Ich habe mir persönlich zum Ziele gesetzt, das Deutsche Volk zu meinem Teile zu entgoebbeln das heißt: der verbrecherischen Oberflächlichkeit zu entreißen, um in Reinheit und Sauberkeit den Satz des Herrn Rudolf Heß zu widerlegen: "Deutschland ist Hitler! Hitler ist Deutschland!"«

Als Beamter im öffentlichen Dienst war Ludwig Dessel auch in einer Spruchkammer tätig, die für die Entnazifizierung zuständig war. Dies haben ihm später Menschen aus sehr völkischen Kreisen vorgeworfen und ihn daher gemieden.

 

Stellung der GGG zum NS.

In einer größeren Gemeinschaft wie der GGG gab es sicher auch Mitglieder, die der NSDAP angehörten, ganz wie es z. B. auch bei den christlichen Kirchen war. Die GGG stand nicht außerhalb der Gesellschaft. Ludwig Dessel, Fahrenkrogs Nachfolger schreibt in einem Brief vom 21. 2. 1954:

»Obwohl wir eine Anzahl Glieder hatten, die früh zum NS kamen und ihm begeistert anhingen, haben die Meisten doch klaren Kopf behalten und lieber Nichtachtung usw. in Kauf genommen, als die von ihnen erkannte Wahrheit und richtige Haltung zu verleugnen«.

Die Mehrheit der Mitglieder gehörte also nicht der Partei an und nahm sogar Nachteile in kauf. Wie auch die GGG unter dem Nationalsozialismus zu leiden hatte, belegen verschiedene Schriftstücke aus dem GGG-Archiv. Vom 11. 11. 1946 stammt ein Schreiben des Hochwartes der GGG (Fahrenkrogs) an den "Kreis-Untersuchungsausschuß für die politische Säuberung". Darin heißt es:

»Stellung zur NSDAP: Politik wurde satzungsgemäß in der G.G.G. nicht betrieben. - Der Gründer und Hochwart der G.G.G, Fahrenkrog, gehörte selbstredend zu keiner Zeit der Partei oder einer ihrer Gliederungen an. - Ohnehin waren Hitler und Fahrenkrog Gegensätze. Hitler: Wille zur Macht; Fahrenkrog: Wille zu einer höheren Ethik. Ich verweigerte den "Heil Hitler"-Gruß - und weil ich ihn nicht an das Ende meiner Schreiben setzte, teilte man mir mit, daß, wenn ich das nicht täte, ich nichts zu hoffen hätte. 1934 wurde eine großen Ausstellung meiner Werke vom derzeitigen Propagandaministerium verboten mit der Begründung "Fahrenkrog ist nicht geeignet zur Erziehung des deutschen Volkes" - gez. Funk. - Ich wandte mich an Hindenburg mit der Bitte um Feststellung, ob seitens der Partei und des Propagandaministeriums Mißbrauch der Amtsgewalt getrieben wurde. Er verwies mich auf den Instanzenweg. Als die Ausstellung endlich dennoch stattfand, wurde ich von der Hakenkreuzpresse maßlos angepöbelt. Seitdem war ich wie lebendig begraben. Unter den übrigen Vorstandsmitgliedern befand sich kein irgendwie belasteter Parteigenosse, da es Parteigenossen in führenden Machtpositionen sowieso von vornherein verboten war [16 Zeichen unleserlich] innezuhaben.«

In einem tabellarischen Lebenslauf Fahrenkrogs von 1946 heißt es:

»Meine Beziehung zur NSDAP: Ich war niemals Mitglied dieser Partei oder einer Organisation der Partei. Ich sagte niemals "Heil Hitler". Als ich dafür getadelt wurde, sagte man mir, daß ich keinerlei Chancen haben würde, wenn ich am Ende meiner Briefe nicht "Heil Hitler" schriebe. 1933 wurde eine Ausstellung meiner Werke, die durch das Museum in Mannheim arrangiert worden war, durch das Propagandaministerium mit dem Argument verboten "Fahrenkrog ist nicht geeignet, daß deutsche. Volk zu erziehen". Ich sandte einen Protestbrief an Hindenburg, in dem ich ihm von dem Mißbrauch offizieller Autorität erzählte. Die Antwort war: Gehen Sie den Instanzenweg. Ich resignierte. Aber seit jener Zeit hatte ich unter den Intriegen der Parteiführer zu leiden. Nicht eins meiner Gemälde wurde angenommen für die Kunstausstellung in München, nicht eins meiner Bücher wurde gedruckt und nicht eins meiner Bilder reproduziert. Lebendig begraben zu sein ist kein angenehmer Zustand! Im Jahre 1937 wurde ich zum Ehrenmeister von Hamburg ernannt. Sofort nach der Ernennung wurde dem Gemeinderat verboten, irgendjemanden zum Ehrenmeister zu ernennen ohne Erlaubnis der Staatsregierung. Aber: "ein guter Köder fängt feine Fische": Von Stuttgart erhielt ich eine Anfrage, ob ich ein Hitler-Portrait zu verkaufen hätte? - Niemals malte ich Hitler! Aber vor kurzem habe ich die Portraits der beiden Scholl-Kinder vollendet, die durch Hltler getötet worden waren«.

Fahrenkrog war 1937 von der Hamburger Maler-Innung zum Ehrenmeister ernannt worden. In einem ersten Rundschreiben an alle Mitglieder der GGG, welches kurz nach Kriegsende von Prof. Fahrenkrog erstellt wurde, erfahren wir auch von zahlreichen Haussuchungen bei Fahrenkrog während des Dritten Reiches. In Briefen aus dieser Zeit konnte er diese Durchsuchungen natürlich nicht erwähnen, erst nach 1945 war es Ihm möglIch. Zur GGG unter dem Nationalsozialismus heißt es (ähnlich auch ein anderes Schreiben von 1951):

»Politische Betätigung wurde und wird innerhalb der GGG. nicht geduldet. In diesem Sinne genoß die G.G.G. volle Glaubens- und Betätigungsfreiheit sowohl im Kaiserreich als auch in den Jahren der ersten Republik. Einschneidende Beschränkungen traten erst in der Zeit des Hitlerregiemes ein: Abzeichenverbot, Beeinträchtigung der Versammlungsfreiheit, zeitweiliges Verbot, dann Erscheinungsbeschränkung unserer Zeitschrift, zahlreiche Haussuchungen beim Hochwart durch die Gestapo...«

U. A. über die GGG und den Antisemitismus handelt ein Brief von Fahrenkrog an Dr. Kusserow vom 27. 1. 1947. HIer ergibt sich auch, daß Dr. Kusserow, der Leiter der Nordischen Glaubensgemeinschaft (und von 1945 bis 1953 Mitglied der GGG) auch nicht in der Partei gewesen war:

»"Wer sich unter Wölfen befindet, muß mit ihnen heulen" Alter Spruch. NS. erst recht, wenn die Heulerei Regimentsbefehl ist - wenn auch u. U. mit Ingrimm. Wer nicht mitheulte wurde als Vaterlandsverräter verdächtigt. Ist mir passiert. Einer von den Allzuvielen, der nicht über mich im Bilde war, suchte Sie auch bei mir zu verdächtigen = weil Sie offenbar Antinazi wären - denn sonst wären Sie doch der Partei beigetreten. Und, da Sie Leiter der NG. wären könnte man auch nicht der NG. beitreten. Ich sagte ihm, daß es mir gerade gefiele, wenn Sie nicht Religion mit Politik verwechselten. Von einem, der es nicht laut sagen durfte weiß ich, daß ein Geheimbefehl herumging, welcher besagte, daß ein Nazi wohl aus der Kirche austreten dürfe - aber nicht in eine andere Glaubensgemeinschaft hinein. a. z. E. in die GGG. Direkt verboten! Der N.S. ersetzte alle Religionen vollkommen.Was nun den Antisemitismus anbetrifft, so hat hier - schon seit Clims Zeiten eine Linkmischelei stattgefunden. WIR sind just die Toleranten und sagen: "Jedem das Seine!" Wir lassen den Juden liebend gerne ihre Religion, ihren Glauben und ihre Vornamen und Nachname und wünschen nur, daß sie uns ungeschoren ließen und uns UNSERN GLAUBEN und UNSERE Vor= und Nachnamen lassen«.

Dr. Kusserow hatte schon zu Beginn der Nazizeit Saalschlachten der sog. "positiven" Christen mit den Anhängern seiner Nordischen Glaubens-Gemeinschaft erleben müssen.

Wie Fahrenkrog über Hitler dachte, belegt auch ein Brief an Müller-Hagemann vom 22. 11. 1945 (Im Archiv unter 10/42):

»Daß im allgemeinen Getümmel der Volksverräter Hitler eine besonders verderbenbringende Rolle für Deutschland spielte, liegt obenauf. Ich habe dem feigen und feilen Monarchen von vornherein nicht getraut - leider haben sich meine schlimmsten Befürchtungen als noch zu zahm erwiesen. Und dann die Vertrauensseligkeit der Deutschen besonders den Maulhelden gegenüber - da habt Ihr recht«.

Auch die GGG Österreichs unterlag Repressalien von Seiten des Nationalsozialismus. Der GGG Amtmann Richard Felser schrieb am 27. 11. 1953 an Dessel und Horstkotte:

»...obwohl ich schon seinerzeit vor der Machtübernahme in Österreich peinlich genau bestrebt war, die Glaubensgemeinde von der Verquickung mit der Politik zu bewahren. Auch habe ich, das heißt die Glaubensgemeinde, von der nationalsozialistischen Führung nur Behinderung aber keinerlei Förderung erfahren. So wurde mir die Wiederherausgabe unseres Mitteilungsblattes ''Die Brücke", die mir von der schwarzen Regierung verboten worden war, nicht wieder gestattet. Das muß ich feststellen, auch wenn Pertl darüber zerspringt. Ich weiß nicht, warum die Regierungen, Eure und unsere, uns für so dumm halten, das Bessere in der Vergangenheit suchen zu wollen, wogegen wir es doch als fortschrittliche Menschen nur in der Zukunft finden können.«

Dazu muß noch angemerkt werden, daß die meisten hier zitierten Briefe reine Privatbriefe zwischen guten Bekannten sind. Eine Beschönigung etwa um sich in Nachhinein reinzuwaschen kommt hier also sicher nicht in Frage.

Als 1991 die Verfassung der GGG neugefaßt wurde, wurde § 2, der bisher lautete:

»Eine politische Betätigung findet in der Gemeinschaft nicht statt«

um den folgenden Satz ergänzt:

»Insbesondere distanziert sich die Gemeinschaft von allen totalitären Ideologien«.

 

Die GGG in der Nachkriegszeit.

In der Nachkriegszeit kam noch keiner darauf, der GGG eine Nähe zum Nationalsozialismus zu unterstellen, im Gegenteil wurde die GGG in der französischen Besatzungszone (Vereinssitz Barmen) nach dem Kriege nicht verboten (jedenfalls findet sich im GGG-Archiv oder in den Vereinsakten kein entsprechender Hinweis); die im Dritten Reich nicht vorhandene Glaubensfreiheit sollte möglichst schnell wieder hergestellt werden. In Rundschreiben 2/04 der GGG vom Juni 1952 heißt es darüber:

»Liebwerte Freunde! Wer Augen hatte zu sehen, sah das "e. V." bei der Nennung unserer Gemeinschaft. Das "e. V." konnte allen unseren Freunden die Gewißheit geben: Bei der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft handelt es sich um eine anerkannte und damit "legale" Gemeinschaft. Hier und da ist diese Tatsache verkannt oder nicht erkannt. Dies wird heute bewußt herausgestellt. Die "Legalität", man verzeihe das Fremdwort, es muß aber hierher, verdankt die GGG (e. V.) der Persönlichkelt unseres Hochwarts, unseres Meisters Prof. Ludw. Fahrenkrog. Wenn andere Vereinigungen nach 1945 der Auflösung verfielen; der GGG blieb das Schicksal erspart«.

Auch GGG-Mitglieder, die die NS-Zeit miterlebt hatten, ahnten noch nicht, daß die GGG einstmals mit diesem Regime oder seinen Ideen identifiziert werden würde. So schreibt GGG-Schriftführer Heinrich Horstkotte an Richard Felser von der GGG Österreich am 17. 4. 1954 einen Brief, in welchem er die Diskussion über den Nationalsozialismus innerhalb der GGG beenden will:

»Es ist meine Meinung, daß sich die GGG gar nicht vom NS absetzen braucht, weil sie NIE dazu gehörte und weil es niemandem einfallen wird, den NS der GGG an die Rockschöße zu hängen.«

Ludwig Dessel schreibt in einem Brief an Charlotte Fahrenkrog (Ludwig Fahrenkrogs Witwe) vom 7. 4. 1957 (BI. 5):

»2. besteht wohl kein innerer Zusammenhang zwischen dem Gedankengut, das die KZ errichtete und die vielen Scheußlichkeiten dem Deutschen Volke als Schuld auflud, und der GGG - "Reinheit in allen Dingen ist göttlich! - Auch eine schlechte Bohne verdirbt den Kaffee!" (Fahrenkrog)«.

Einer der ersten Fälle, in dem Fahrenkrog mit dem Dritten Reich in geistige Verbindung gebracht wurde, beschreibt Ludwig Dessel in einem Brief an Charlotte Fahrenkrog vom 16. 2. 1958 (BI.12f):

»In diesem Zusammenhang erwähne ich die Tatsache, die mir Herr Erhard Bruder in Biberach erzählte. Als er die Nachricht vom Ableben des Meisters an eine Stuttgarter Stelle (Redaktion einer Zeitung oder Nachrichtenagentur) fernmündlich mitteilen wollte, wurde ihm von dort die Antwort: "Wir kennen die Rolle, die Fahrenkrog im Dritten Reiche gespielt hat; wir verzichten darauf, von seinem Ableben Kenntnis zu nehmen!" Wenn wir da nicht mit der Wahrheit entgegentreten, wird F. schließlich noch durch einen solchen Presseschmierer zum Ausmaler des Propagandaministeriums usw. - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.«

Von der GGG hören wir in der Zeit nach 1964 nur noch wenig. Aus dem Jahr 1981 stammt eine gemeinsame Erklärung von Dr. Kusserows "Treuekreis Artglaube Irminsul" und der "Deutschgläubigen Gemeinschaft" von Dr. Odfried Jungklaas. Für die GGG unterzeichnete sie ihr Mitglied Armin Hepp. In dieser Erklärung distanzierten sich die Gemeinschaften von allen politischen Abenteuerern, die die germanischen Gemeinschaften für ihre Zwecke mißbrauchen wollen (der Text ist abgedruckt bei Friedrich-Wilhelm Haack, Wotans Wiederkehr, Blut-, Boden- und Rasse-Religion, München 1981, S. 102f). Es heißt:

»Die Beratungen schlossen mit der einmütigen Ächtung jeden Mißbrauchs volksreligiöser Bestrebungen durch politische Abenteurer, denn die ewigen Werte, die wir heilig zu halten haben, dürfen nicht Gegenstand tagespolitischer Vermarktung werden. Unabhängig von allen politischen Gruppierungen und Parteien wird die volksreligiöse Bewegung jedoch ethische Forderungen an die Staatsgewalten erheben, wo immer sie diese heiligen Werte in Gefahr sieht .«

 

Der Nationalsozialismus.

Das Programm der "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" (NSDAP) wurde lange vor der Machtübernahme aufgestellt. In Punkt 24 dieses Programms heißt es:

»Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums.«

Von einer germanischen, heidnischen oder völkischen Religion ist hier also überhaupt nicht die Rede. Der Parteiideologe Alfred Rosenberg erläutert den Standpunkt der NSDAP in dem Buche "Wesen, Grundsätze und Ziele der NSDAP":

»Die Geschichte Europas hat bewiesen, daß dieses im extrem antijüdischen Christentum eine Religionsform gefunden hat [...] Die Wahrung christlichen Lebens hat auch die NSDAP als eine wirkliche Volksbewegung unbedingt zu fordern.«

Ganz deutlich wird hier gezeigt, daß der Antisemitismus des Nationalsozialismus dem Christentum entnommen wurde. Aber auch zu den heidnischen Gruppen äußert sich Rosenberg:

»Über die Wegleugnung der Persönlichkeit Christi überhaupt, mit Hilfe altgermanischer und anderer Mythologien, darf man heute zur Tagesordnung übergehen.«

Die Ablehnung Christi ist für Rosenberg also eine Lüge; daraus ergibt sich eindeutig, daß er Christ war und das Heidentum ablehnte. Auch andere christliche Autoren, wie z. B. Arthur Dinter, waren für die NS-Ideologie maßgebend.
Adolf Hitler gehörte nicht nur zeitlebens der Katholischen Kirche als Mitglied an, er zahlte sogar bis zu seinem Tode Kirchensteuern. Ein Telegramm mit der Aufforderung, Hitler zu Exkommunizieren, wurde damals an Papst Pius XII. geschickt, doch Hitler wurde nie exkommuniziert (das Telegramm findet sich in der Zeitschrift Catholic Telegraph-Register, Cincinnati, Ohio, USA). Schon 1933 schloß Hitlers Regierung mit dem Vatican ein noch heute gültiges Reichsconcordat ab, welches der Kirche zahlreiche Rechte einräumt, auch solche, die sie nicht einmal in Italien hat (nach dem Kriege half der Vatican dann entsprechend den Nazi-Kriegsverbrechern bei der Flucht ins Ausland).
In einem Aufruf des katholischen Jungmännerverbandes vom September 1933, unterzeichnet vom Generalpräses, heißt es:

»Jawohl, liebe Freunde, darüber müssen wir uns klar sein, daß der Abschluß des Konkordats auch Pflichten auflegt. Indem die Kirche den neuen Staat anerkennt und durch einen feierlichen Vertrag sich mit ihm verbunden hat zum gemeinsamen Wirken im Volke der Deutschen, hat sie auch uns als Jugend der Kirche verpflichtet für den neuen Staat. Und nicht nur in dem Sinn, daß wir als Katholiken selbstverständlich um des Gewissens willen dem Staate geben, was des Staates ist, seine rechtmäßige Obrigkeit anerkennen, seine Autorität und seine Gesetze achten und befolgen; sondern in dem weiteren Sinne, daß wir den deutschen Staat nationalsozialistischer Prägung, seine Idee, seine Führung, seine Formen anerkennen und ihm uns mit ganzer Bereitschaft und ganzer Treue zur Verfügung stellen [...] Der neue deutsche Staat trägt etwas von der Idee des Gottesstaates in sich, in der Anerkennung des Christentums als Fundament des Staates«.

(H. Müller (Hrsgb.), Katholische Kirche und Nationalsozialismus. Dokumente 1930-1935, München 1963, S. 190-193). Ähnlich übrigens auch ein Aufruf des Führers des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studenten CV vom 15. 7. 1933:

»Der CV bekennt sich zur nationalsozialistischen Revolution als dem großen geistigen Umbruch unserer Zeit. Der CV will und muß Träger und Künder der Idee des Dritten Reiches sein [...] und deswegen wird der CV im Geiste des Nationalsozialismus geleitet werden [...] Nur der nationalsozialistische Staat, der machtvoll aus der Revolution herauswächst, kann uns die Wiederverchristlichung unserer Kultur bringen«.

(H. Müller, S. 168). Auf einem NS-Wahlplakat zur Reichstagswahl vom 12. 11. 1933 wird der päpstliche Nutius Basallo di Torregrossa so zitiert:

»"Ich habe Sie lange nicht verstanden. Ich habe mich aber lange darum bemüht. Heute versteh' ich Sie". Auch jeder deutsche Katholik versteht heute Adolf Hitler und stimmt am 12. November mit ,Ja!"«.

Schon in "Mein Kampf" (Seiten 395-399) hatte Hitler sich nicht nur von "religiösen Reformatoren auf altgermanischer Grundlage" distanziert, er meinte wahrscheinlich auch geradezu Professor Ludwig Fahrenkrog als er schrieb:

»Ein bekannter Professor in Bayern, ein berühmter Kämpfer mit geistigen Waffen ...«

Im gleichen Text sagt der Katholik Hitler, daß er »tiefsten Ekel« vor diesen Leuten empfinde. Dagegen warnten noch 1933 Heiden vor den schweren Rechtsverletzungen der NSDAP und einem drohenden Weltkrieg, die Inhaftierung der Kommunisten und die Konzentrationslager wurden angeprangert.
Erich Ludendorff, Leiter des Tannenbergbundes telegraphierte an Hindenburg (als Hitler mit Hindenburg in Potsdam das alte Preußen beschwor):

»Sie haben unser deutsches Vaterland einem der größten Demagogen aller Zeiten ausgeliefert: Ich prophezeihe Ihnen, daß dieser Mann unser Reich in den Abgrund stürzen, unsere Nation in unfaßbares Elend bringen wird«.

In der Folge wurden Mitglieder des Tannenbergbundes in Lager eingewiesen, Verhaftungen begannen, die heidnischen Bünde und ihre Zeitschriften wurden - im Gegensatz zu den Kirchen - verboten. Der Landeskirchenrat Reichardt dagegen drückte seine volle ünterstützung 1933 so aus:

»So begrüBt es die Kirche auf das freudigste, daß jetzt die Staatsgewalt Maßnahmen zur Reinigung und Erneuerung unseres Volkslebenas trifft«.

Und der Vorsitzende des Katholischen Lehrerverbandes des Deutschen Reiches, August Weber, sagte in einer Kundgebung vom 1. 4. 1933:

»Möge es vereinter Kraft aller in unserem Volke gelingen, möglichst bald die Spuren alles Undeutschen und alles Volks- und Christentumsfremden aus unserem öffentlichen und staatlichen Leben zu verbannen«.

(H. Müller, S. 86f).
In einer Denkschrift der katholischen Bischöfe an Hitler vom 20. 8. 1935 werden die neuheidnischen Gemeinschaften direkt erwähnt und als zu bekämpfende Gegner denunziert:

»Die in Fulda zur herkömmlichen Jahreskonferenz versammelten Bischöfe senden dem Führer und Reichskanzler des Deutschen Reiches den Gruß treuer Gesinnung mit der Ehrfurcht, die wir nach göttlichem Gebot dem Inhaber der höchsten staatlichen Macht und Würde schuldig sind [...] Die Deutsche Glaubensbewegung unter Führung von Hauer und Genossen, die Nordische Glaubensbewegung, der Ludendorff-Kreis und andere Systeme heidnischer Prägung haben dem Christentum wegen seiner angeblich deutschfremden und deutschfeindlichen Art den Kampf angesagt [...] Andere Vorwürfe der neuen Glaubensstifter und Religionsnihilisten sind Euerer Exzellenz bekannt. Wir bitten Sie, Herr Reichskanzler, bei Ihrer Liebe zum deutschen Volk, diesen planmäßigen Versuchen, das deutsche Volk zu entchristlichen, mit der in Deutschland einzigartigen Autorität Ihrer Person ein Ende zu machen. Ihre Regierung hat mit fester Hand die Gottlosenverbände der früheren Zeit aufgelöst, kann also nicht dulden, daß die alten Freidenker und Gottlosen in diesen neuen heidnischen und halbheidnischen Bewegungen neu auftauchen [...] Es kann Ihrem scharfen Auge nicht entgehen, Herr Reichskanzler, daß diese heidnischen und liberalen Kämpfe gegen Christus und seine Kirche im Inland weite Volkskreise, die treu am Glauben ihrer Väter hängen, kopfscheu und mißtrauisch machen [...] Wir bitten den allmächtigen Gott, daß Er das Leben unseres Führers und Reichskanzlers in Seinen Schutz nehme und [...] Seinen allmächtigen Segen gebe.«

(Vollständig bei: H. Müller, S. 364-389). Nur sieben Monate später erging an die GGG das Verbot öffentlicher Versammlungen.

Papst Pius XII. soll in einer Audienz sinngemäß gesagt haben:

»Man wollte mich nicht als Vermittler, aber ich hätte so gerne die Waffen der Europäer für einen Feldzug gegen die Bolschewisten gesegnet«.

(Vatikan - Die Macht der Päpste, Sendung von Guido Knopp, ZDF 1997). Überhaupt waren sich Kirchen und NS-Staat einig in der Bekämpfung des sog. "Bolschewismus". In der schon zitierten Denkschrift der kath. Bischöfe an Hitler heißt es:

»Ihnen hat Papst Pius XI. am 13. 3. 1933 im Konsistorium vor aufhorchenden Vertretern anderer Nationen das hohe Lob ausgesprochen, daß Sie als erster Staatsmann mit Ihm vom Bolschewismus abrückten«.

Auch die österreichischen Bischöfe schrieben in einer "feierlichen Erklärung" vom 18. 3. 1938:

»Wir sind auch der Überzeugung, daß durch das Wirken der nationalsozialistischen Bewegung die Gefahr des alles zerstörenden gottlosen Bolschewimus abgewehrt wurde.«

(Faksimile in: Erwachet, 22. 10. 1994, S. 9). Die Kirchen, die mit ihrem Eingottglauben, der Vorstellung eines Heilandes oder Erlösers und der Idee eines Reiches Gottes in vielen Punkten als geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus gelten müssen, haben auch religiöse Begründungen herangeführt, wenn es galt, ihre Stellung zur NS-Diktatur zu erläutern. In einem gemeinsamen Hirtenbrief der Oberhirten der Diözesen Deutschlands vom 8. 6. 1933 finden wir z. B. die Sätze:

»Gerade in unserer heiligen, katholischen Kirche kommen Wert und Sinn der Autorität ganz besonders zur Geltung [...] weil wir in jeder menschlichen Obrigkeit einen Abglanz der göttlichen Herrschaft und eine Teilnahme an der ewigen Autorität Gottes erblicken (Röm. 13, 1 ff) [...] Zu unserer großen Freude haben die führenden Männer des neuen Staates ausdrücklich erklärt, daß sie sich selbst und ihr Werk auf den Boden des Christentums stellen. Es ist das ein öffentliches, feierliches Bekenntnis, das den herzlichen Dank aller Katholiken verdient. Nicht mehr soll also der Unglaube und die von ihm entfesselte Unsittlichkeit das Mark des deutschen Volkes vergiften, nicht mehr der mörderische Bolschewismus mit seinem satanischen Gotteshaß die deutsche Volksseele bedrohen und verwüsten.«

(H. Müller S.152-161). Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler bedankten sich evangelische Christen im Gebet bei Gott "für die Errettung des Führers". Der landesbischof Marahrens ließ ein Dankgebet in den Gemeinden sprechen, welches so begann:

»Heiliger barmherziger Gott! Von Grund unseres Herzens danken wir Dir, daß Du unserm Führer bei dem verbrecherischen Anschlag Leben und Gesundheit bewahrt und ihn unserm Volke in einer Stunde höchster Gefahr erhalten hast.«

(Kirchliches Amtsblatt für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers vom 21. 7. 1944). Der Runenesoteriker Friedrich Bernhard Marby, in dessen Zeitschrift "der eigene Weg" auch der spätere GGG-Vorsitzende Ludwig Dessel seine Berichte veröffentlichte, kam für zwei Jahre in ein Konzentrationslager, Dr. Wachler von der GGG starb Anfang 1945 in einem Konzentrationslager, in der Czechei, auch der Occultist Weishaar-Pählke kam in ein Konzentrationslager, dem Urgeschichtsforscher Professor Hermann Wirth wurde Titel und Lehramt aberkannt.
Einzelne vom Nationalsozialismus mißbrauchte heidnische Versatzstücke wie z. B. das Hakenkreuz, die s-Runen der SS, Sonnwendfeiern und Maifeste dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Nationalsozialismus ganz andere Ziele hatte. Derartige Dinge wurden lediglich deswegen verwendet, weil sie damals gerade in Mode waren. So feierten fast alle Jugendbünde - von der kirchlichen Jugend bis zur Arbeiterjugend - derartige Sonnwendfeiern. Die Maifeiern der NSDAP wurden angeordnet, um mögliche Arbeiterproteste am 1. Mai zu unterdrücken.
Das eigentliche Vorbild des Nationalsozialismus war das christliche Römische Reich (deutscher Nation). Bis in die kleinste Einzelheit wurde davon kopiert: Der Führergruß "Heil Hitler" mit ausgestrecktem rechten Arm ist eine Übernahme des römischen Grußes "Ave Imperator" (Heil dem Herrscher), die Nazistandarten sind genaue Kopien der römischen Adlerstandarten, die NS-Aufmärsche in Berlin und Nürnberg entsprechen den alten römischen Aufmärschen. In Nürnberg heißt das dort eigens eingerichtete Aufmarschgebiet wie im alten Rom "Märzfeld" (in Berlin "Maifeld"), es ist auf die Kaiserburg ausgerichtet. Die schwarze Uniform der SS mit ihren Ordensburgen (z. B. der Wewelsburg) entspricht den schwarzen Gewändern der Ritter der Johanniter und Malteserorden, die zusammen mit dem Deutschen Ritterorden von ihren Ordensburgen (z. B. der Marienburg in Danzig) die ostgermanischen Wenden blutigst missionierten. Was vor 1000 Jahren Kaiser (=Caesar) Karl der Sachsenmörder und seine Nachfolger unter dem Zeichen des Kreuzes begannen, wurde in ähnlicher Art von den Nationalsozialisten fortgesetzt: Der "Kreuzzug" gegen Rußland unter dem Zeichen des (Haken-) Kreuzes. In beiden Fällen wurden die Gegner als minderwertig angesehen. Im Mittelalter wurden die Ostgermanen per Definition zu "Sklaven" (Slaven) erklärt, unter den Nazis wurden die Polen und Russen als "Untermenschen" bezeichnet. Den höheren Auftrag für diesen neuen Kreuzzug holten sich die Nationalsozialisten vom Papst, mit dem sie ja schon 1933 das Reichsconcordat abgeschlossen hatten. Die katholische Kirche sah in Rußland (wegen der 1918 erfolgten Revolution mit einer umfangreichen Enteignung der Kirchen) immer ein "Reich des Bösen" und war daher sofort bereit, die Nationalsozialisten zu unterstützen (siehe auch den Ausspruch von Papst Pius XI., den ich oben zitierte). "Gott mit uns" stand auf den Koppelschlössern dieser neuen Kreuzritter und meinte natürlich den christlichen Gott.
Auch in der Baukunst war nicht Germanien, sondern Rom das große Vorbild. Albert Speer und andere Architekten entwarfen im Auftrage Hitlers gewaltige Bauten im neoklassizistischen Stil, darunter einen Triumphbogen, und kopierten so römische Bauten der Antike. Auch das Verbot der deutschen (und gotischen) Frakturschrift zugunsten der Lateinschrift der Kirche ist in diesem Sinne zu deuten. Der Gedanke eines heiligen Reiches, der vom biblischen "Reich Gottes" abgeleitet war, und der gleichfalls im biblischen Eingottglauben und Papsttum begründete Führerkult wurde an die Stelle der ursprünglich heidnischen Staatsform der Demokratie gesetzt. Bekanntlich stammt der Begriff "Demokratie" aus dem heidnischen Griechenland, denn Vielgötterkulturen neigen zu einer demokratischen Regierungsform , da auch die Götter sich untereinander beraten müssen.
Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) im schwarzen Gewand übernahm die Rolle der Inquisition des alten Vorbildes.

 

Herkunft des Antisemitismus.

Es fragt sich nun, woher der Antisemitismus und Rassismus des Nationalsozialismus eigentlich herkam. Den Rassismus führen Forscher auf die Schriften des französischen Diplomaten Joseph Arthur Graf von Gobineau (1816-1882) zurück. Auch Adolf Josef Lanz (1874-1954) gilt als einer seiner Urheber. Lanz war Katholik und trat im Alter von 19 Jahren dem Orden der Cistercienser (Stift Heiligenkreuz im Wienerwald) bei. Hier nahm er den Ordensnamen Georg an. Schon ein Jahr später aber gründete er einen eigenen Orden, den Ordo Novi Templi (Neutemplerorden). Jetzt nannte er sich Georg Lanz von Liebenfels. Seinem Orden gehörte auch der ariosophisehe Autor Guido List <1848-1919) als Mitglied an. List hatte sich selbst das "von" beigelegt, obwohl er ganz eindeutig nicht zum Adel gehörte. Auch Strindberg kam zu den Treffen des Ordens. Lanz veröffentlichte verschiedene theologische Schriften, die sich mit einer stark rassistischen Bibelauslegung befaßten, z. B. die "Theozoologie", außerdem gab er die Zeitschrift "Ostara - Bücherei der blonden und Mannesrechtler" heraus. Derartige Hefte soll auch Adolf Hitler bei seinem Aufenthalt in einem Wiener Obdachlosenasyl begeistert gelesen haben. Es handelt sich beim Neutemplerorden keineswegs um einen heidnisch-germanischen Orden; schon der Name zeigt einen Bezug zur Tradition des christlich-occulten legendären Templerordens. Dieser Orden missionierte und unterdrückte besonders die Ostgermanen. Lanz war wie Graf Gobineau Christ. Lanz entnahm die rassistischen Ideen seiner eigenartigen Auslegung der Bibel. Der Antisemitismus ("Semiten" ist eine Bezeichnung derjenigen orientalischen Völker, die sich als Nachkommen des biblischen Stammvaters Sem ansehen) entstammt dem Christentum. Der Jude galt dem Christen von jeher als der "verstockte" ältere Bruder, der, obwohl sich doch Jesu Wunder in seinem Lande zugetragen haben sollen, sich trotzdem nicht hatte bekehren lassen. Pharisäische Juden waren es auch, gegen die Jesus immer wieder predigte und die die Schuld daran trugen, daß Jesus gekreuzigt worden sein soll. Das Judentum war sozusagen der lebendige Beweis dafür, daß etwas mit den angeblichen Wundern Jesu nicht stimmte, denn sonst hätten die Juden sich ja bekehrt. Auch Martin Luther war Antisemit, er verfaßte die Schrift "Von den Jüden und ihren Lügen" und rief darin zum Ertränken der Juden auf. An Martin Luthers Geburtstag, der Nacht vom 9. zum 10. November begannen die offenen Progrome gegen die Juden, die unter dem Namen "Kristallnacht" in die Geschichte eingingen. Führende Nationalsozialisten beriefen sich noch in den Nürnberger Prozessen auf Luther und andere christliche Ideologen. Auch der Katholik Hitler selbst hatte sich immer wieder auf den Christengott berufen. So sagte er einmal:

»So glaube ich im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln; indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn!«.

Hermann Göring war evangelisch und ließ seine Tochter Edda (in Anwesenheit Hitlers) christlich taufen, Dr. Josef Goebbels war Jesuitenzögling. Als Vorläufer der NSDAP gilt ein Geheimbund mit dem Namen "Thule-Orden". R. von Sebottendorf behauptete in seinem Buche "Bevor Hitler kam", daß Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Hermann Göring, Alfred Rosenberg, Hans Frank, Julius Streicher und Rudolf Heß Mitglieder des Thule-Ordens gewesen seien. Mittlerweile sind diese Behauptungen des Ordensmeisters von Sebottendorf (Pseudonym), der seinen Orden für die damaligen Menschen aufwerten wollte, von der Forschung widerlegt worden. Von den NS-Führern gehörte lediglich Rudolf Heß diesem Orden an. Der Thule-Orden war auch keine neuheidnische, völkische oder germanische Gemeinschaft, sondern ein Occultorden, der sich u. a. mit tibetanischen Überlieferungen und dem ägyptischen Totenbuch befaßt hatte. Darum wurde Rudolf Heß, Ordensgroßmeister im Thule-Orden, der "ägyptische Guru" genannt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Thule-Orden verboten.
Der Rassismus und Antisemitismus des Nationalsozialismus kommt also von der klaren und eindeutigen Verwurzelung und Zugehörigkeit der NS-Führer zum Christentum. Dies schrieb übrigens auch der Wissenschaftler Michael Ley in seinem Buch "Genozid und Heilserwartung. Zum nationalsozialistischen Mord am europäischen Judentum", Wien 1993. Er vertritt die These, der Nationalsozialismus sei eine messianisch-völkische Bewegung gewesen, die ihre eigentliche Wurzel im Christentum gehabt habe. Die Nazis hätten in Hitler die Inkarnation von Christus gesehen und das "neue" Deutschland für den Beginn des ersehnten Tausendjährigen Reiches der Bibel gehalten. Ley untermauert diesen Gedanken mit zahlreichen Zitaten, z. B. typischen Formulierungen in Streichers Hetzschrift "Der Stürmer":

»Die Juden haben Christus ans Kreuz geschlagen und ihn totgeglaubt. Er ist auferstanden. Sie haben Deutschland ans Kreuz geschlagen und totgesagt, und es ist auferstanden herrlicher denn je zuvor«.

(Der Stürmer, April 1943). Die Judenvernichtung ist nach Ley heilstheologisch zu deuten. Hitler und seine Gefolgschaft begriffen die Vernichtung des europäischen Judentums als eine "heilige Tat", gewissermaßen als die Voraussetzung für das Kommen des Tausendjährigen Reiches. Nach Ley stand Hitler den gnostischen Häretikern des frühen Christentums näher, als den europäischen Staatsmännern seiner Epoche. Fast alle einschlägigen Elemente des christlichen Erlösungsdenkens waren im 'Nationalsozialismus vorhanden und können im Denken und Handeln Hitlers nachgewiesen werden. Dieser sah sich als Befreier, Erlöser, als das Werkzeug Gottes, der mit der Judenvernichtung nicht nur Deutschland, sondern der ganzen Welt das Heil bringen wollte. Aber noch ein weiteres Element spielt mit hinein. Adolf Hltlers Großvater soll ein Jude aus Graz gewesen sein, der 20 Jahre lang Alimente für seinen Sohn Alois Hitler zahlte. Anna Maria Schicklgruber, Hitlers Großmutter, hatte aber nicht diesen Juden, sondern einen Nepomuk Hitler geheiratet, der der Ziehvater des Alois wurde (Herbert Lüthy, Der Führer persönlich, in: Der Monat, Heft 62, Nov. 1953, S. 154). Den für einen frommen österreichischen Katholiken vermeintlichen Makel eines Jüdischen Großvaters versuchte Hitler dadurch zu kompensieren, daß er einen Haß auf alle Juden entwickelte. Auch einige weitere NS-Führer, wie z. B. Heydrich, sollen jüdische Vorfahren gehabt haben.

 

Schlußfolgerungen.

Wir haben nun gesehen: Die GGG hatte eine ganz andere Zielsetzung als der Nationalsozialismus, ihre leitenden Mitglieder und die meisten der anderen Mitglieder gehörten der NSDAP nicht an, die Gemeinschaft unterlag Einschränkungen und Gängeleien. Immer wieder haben GGG-Mitglieder ihre ablehnende Haltung zum Nationalsozialismus zum Ausdruck gebracht, auch in privaten Briefen, so daß hier nicht von nachträglichen Schutzbehauptungen oder Schönfärbereien ausgegangen werden kann, es gab ein Ausstellungsverbot und ablehnende Äußerungen der NS-Leiter zu Fahrenkrog, dazu mehrere Hausdurchsuchungen. Keiner der NS-Führer gehörte zu irgendeiner Zeit der GGG als Mitglied an, auch keiner anderen heidnisch-germanischen Gemeinschaft, wohl aber den christlichen Kirchen. Der GGG wurde Versammlungsverbot erteilt, den Kirchen nicht.
Wenn bei dieser eindeutigen Sachlage heute noch behauptet wird, die GGG hätte Hitlers rassistischen Ideen den Weg bereitet, dann werden bewußt geschichtlichen Tatsachen ignoriert. Es geht offenbar darum, das Wiederaufleben der heidnischen Religion auch mit dem Mittel der Diffamierung zu verhindern, denn gerade die einheimische Naturreligion der Germanen und Celten ist für die etablierten Kirchen eine viel größere Konkurrenz, als z. B. irgendwelche fernöstlichen Heilslehren, weil die Religion der Germanen und Celten fest im deutschen Volks- und Brauchtum wurzelt, also für den Menschen nichts fremdes und fremdartiges darstellt, und weil in einer Zeit der ökologischen Probleme eine Naturreligion ganz besonderen Zulauf gewinnen könnte. Auch die Defizite der etablierten Religionen auf verschiedenen Gebieten (Freiheit des Einzelnen, Stellung der Frauen, fehlender Karma- und Wiedergeburtsglaube, keine direkten Götterbefragungen usw.) könnten dafür sorgen, daß das Heidentum weiter an Zulauf gewinnt.
Kirchliche und staatliche Sektenbeauftragte wie z. B. der mittlerweile verstorbene evangelische Pfarrer Friedrich Wilhelm Haack sind verantwortlich dafür, daß Heiden und heidnische Gemeinschaften pauschal als rechtsextrem bezeichnet wurden.
Die GGG steht eindeutig auf dem Boden der Verfassung und des Grundgesetzes und distanziert sich von faschistischen und totalitären Ideologien.



© 2005 Allsherjargode Géza von Neményi. Der Text ist in längerer Version ursprünglich als Sonderheft der "Germanischen Reihe" erschienen