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Göttin Tanfana?
 

In der Literatur taucht an zwei Stellen eine angebliche Göttin mit Namen Tanfana oder Tamfana auf. Die eine Stelle ist Tacitus (Annalen I, 51). Hier wird erzählt, wie Caesar-Germanicus ein Heiligtum der Marser (zwischen Lippe und Ruhr) dem Erdboden gleichmachte. Die Stelle lautet wörtlich:

>Caesar avidas legiones, quo latior populatio foret, quatuor in cuneos dispertit, quinquaginta millium spatium ferro flammisque pervastat; non sexus, non aetas miserationem attulit: profana simul et sacra, et celeberrimum illis gentibus templum, quod Tanfanae vovabant, solo aequantur.<

Übersetzung:

>Der Caesar teilte die kampfbegierigen Legionen, damit die Verheerung desto ausgedehnter würde, in vier keilförmige Haufen. 50000 Schritt umher verwüstete er mit Schwert und Feuer. Nicht Geschlecht, nicht Alter flößten Erbarmen ein. Heiliges so gut wie Ungeweihtes, auch das von jenen Völkerschaften am höchsten gefeierte Heiligtum der Tanfana, wie sie es nannten, wurde dem Boden gleichgemacht.<

So wird diese Stelle meist übersetzt. In den beiden Handschriften der Annalen kommen die Schreibweisen „Tanfanae“ und „Tamfanae“ vor.

Das Original spricht wörtlich von einem

>gefeierten Tempel, den sie tanfana nannten<.

Die zweite Erwähnung ist eine im Neapolitanischen, bei Terni, gefundene Votivinschrift:

>TAMFANAE SACRUM M. APPULEJUS<

Diese Stelle bedeutet:

>Tamfana heilig ...<.

Diese Inschrift wurde aber – davon gehen die Forscher aus - von Pyrrhus Ligorius (1513/14 – 1583) im 16. Jh. gefälscht.

In der Form „Zamfana“ kommt der Name auch in dem für die meisten Forscher als unecht geltenden „Altdeutschen Schlummerlied“ vor. Es soll angeblich aus dem 10. Jh. stammen, stammt aber wohl eher von Georg Zappert (1806-1859). Da heißt es:

Tocha slafês sliumo / uueinon sar lazzês.
Triuua uuerit kraftlicho / Themo uuolfa uurgianthemo.
slafês unz za Morgane / Mähnen Trut sunilo.
Ostara Stellit Chinde / honak egir suozziu.
Hera prichit Chinde / pluomun plobun Rotun.
Zanfana sentit Morgane / ueiziu Scaf kleiniu,
unta Einouga, Herra weh! / Horska aska Harta.

Übersetzung:

“Docke (kosewort für das Kind), schlafe schnell, laß das Weinen
Wahrheit wehrt kraftlich, den Wolf, den Würger
Schlafe bis zum Morgen, Mannes trauter Sohn
Ostara stellt dem Kinde Honig, Eier, süße.
Hera bricht für das Kind Blumen blau und rot
Zanfana sendet am Morgen weiße Schafe kleine.
Und der Einäugige Herra verletzt schnell harte Speere

In der Zeile 11f heißt es: >Zanfana sendet am Morgen kleine weiße Schafe<.

Unter einer einleitenden hebräischen Zeile findet sich der Text des "Schlummerliedes".

Die Bezeichnung Tamfana oder Tanfana ist kein Eigenname einer uns ansonsten unbekannten Göttin, sondern das Wort bedeutet „großer Hain“ (tam = so, so sehr; fanum = Hain, Heiligtum). Von dieser Bezeichnung eines Heiligtums kann man keine Göttin der Marser ableiten. Es ist also nur ein berühmter Heiliger Hain dort erwähnt, keine Gottheit. Ein Forscher (E. Weber) las den Namen sogar *Tainfana und übersetzte ihn mit „Loszweigheiligtümer“. Eine andere Deutung bezieht den Namen auf das „Haus zum Fahnen“, das bei Hamm und Soest lag und schon 1250 Sitz eines Freigerichtes war. Tamfana bedeutet danach „tum Fahnen“ (zum Fahnen). Auch auf ein Attribut des Siebes wurde der Name gedeutet (tampf = Sieb), außerdem vom Wort „Dampf“ abgeleitet und als Herdgottheit gedeutet.

Daß der Name des Heiligtums ein Göttinnenname gewesen sein soll, ist völlig unlogisch. Einmal wurden Heiligtümer meist mehreren Göttern geweiht, gerade wenn es sehr große, berühmte oder übergeordnete Heiligtümer waren, dann trachtete man danach, die Namen der Götter zu verschweigen, isbesondere gegenüber Fremden wie den Römern und außerdem ergibt es sprachlich keinen Sinn. Setzen wir einfach mal den Namen „Donar“ an Stelle des Begriffs „Tanfana“, dann lautet der Satz bei Tacitus:

>gentibus templum, quod Donar vovabant<

(„ein berühmter Tempel, der 'Donar' heißt“)

Aber „Donar“ ist eben kein Name für einen Tempel. Dann hätte man schon ändern müssen in „ein berühmter Tempel, der 'Donarshain' heißt“. Das ergibt Sinn. Somit wäre dann der Wortteil „-fana“ als „-hain“ zu übersetzen und bestenfalls die Vorsilbe „Tan“ könnte als Name einer Gottheit (ob Gott oder Göttin ist ungewiß) aufgefaßt werden, die wir aber nicht kennen. Man hat vermutet, es könnte eine Gottheit der Tanne gewesen sein, es gibt eine karthagisch-punische Fruchtbarkeitsgöttin Tanit, oder „Tan“ könnte auf eine Gemeinschaft hinweisen. Auch als Form des Begriffs „Stampe“ (ein Name der Berchta) wollte man „Tam“ deuten. Die Deutung als „Dampf“ hat man wohl nach dem unechten Schlummerliedchen gebildet, wo ja Zanfana (Tanfana) die Wolkenschafe sendet. Auch als „tanfo“, verwandt mit lateinisch Truncus, einem Hain bei der Eresburg, wollte man den Namen deuten.
Über Tanfana gibt es außer den beiden unechten Quellen (Votivinschrift, Schlummerliedchen) also nur eine einzige Quelle, nämlich Tacitus. Das ist schon ein Indiz, daß es so eine Gottheit nie gegeben hat. Auch daß Tacitus diese angebliche germanische Göttin nicht in seiner "Germania" erwähnte, spricht gegen eine derartige Gottheit.

Gefeiert wurde in dem Hain übrigens nach Interpretation der Annalen durch den Forscher Liungmann am 28. September oder 27. Oktober. Es war im Herbst des Jahres 14 u. Zt., die römischen Truppen waren beunruhigt, weil Kaiser Augustus am 19. August in Nola gestorben war. Die Nacht, in der das Heiligtum zerstört worden war, war von Lichtern erhellt (>nox sideribus inlustris<), und das kann im Herbst nur den Vollmond meinen. Damit stehen nur der 28. September und der 27. Oktober zur Auswahl. Die Herbstgleiche (22./23. September) kommt also nicht in Frage, wohl aber der Vollmond zur Winternacht. Da es einige Zeit gedauert haben muß, bis die Nachricht vom Tode des Augustus die römischen Truppen erreichte, ist der Termin des 27. Oktober wohl am wahrscheinlichsten, also das Fest Winternacht. Winternacht aber war und ist ein Fest zu Ehren Wodans, Frias und der Disen. Wollte man also hieraus die Verehrung einer Göttin konstruieren, dann kann es nur die Göttin Fria (Frigg) gewesen sein, die man dort verehrte. Diese Stelle kann man auch heranziehen, um zu belegen, daß „Winternacht“ (also das Fest am 27. Oktober des Jahres 14) ein Vollmondfest gewesen war; dieses Fest fiel natürlich jedes Jahr auf ein anderes Datum, nur im Jahre 14 war es am 27. Oktober der römischen Monatsrechnung. Immer aber war das Fest ein Vollmondfest.

Trotz der berechtigten Zweifel an einer Göttin Tanfana wurde am 20. 9. 2014 eine Festveranstaltung „2000 Jahre Tanfana“ um 14 Uhr im Kongreßhaus Bad Lippspringe abgehalten.


© Allsherjargode Géza v. Nahodyl Neményi 2014