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Der Tierkreis als Götterkreis

 

Wenn wir uns heute mit den Tierkreiszeichen befassen, dann sind das für uns Symbole oder Anzeiger für bestimmte Geschehnisse. Den Menschen früherer Jahrtausende aber waren es nicht lediglich Bilder, sondern sie ordneten die Zeichen und Planeten den Göttern und Göttinnen zu. Noch heute tragen die Planeten ja die Namen antiker Gottheiten, aber wir gebrauchen sie als neutrale astrologische Symbole. Das war in der vorchristlichen Zeit ganz anders.

Das römische und griechische Heidentum kannte einen Kreis von 12 Hauptgottheiten, die man ganz selbstverständlich auch auf die 12 Tierkreiszeichen bezog. Bestimmt war den damaligen Menschen schon bewußt, daß die Sternzeichen nur Symbole für die einzelnen Gottheiten sind, nicht die Gottheiten selbst. Dennoch blickte man sicher voll Ehrfurcht und Achtung auf diese universellen himmlischen Manifestationen der Götter.

Byzantinischer Götter- und Tierkreis (Bibliotheca Apostolica, Vatikan).

Die vorstehende Abbildung ist ein byzantinisches Beispiel für dieses antike Weltbild. Sie stammt aus dem „Tetrabiblos“ von Ptolemäus aus der Zeit um 820 (Biblioteca Apostolica, Vatikan). In der Mitte ist der Himmelsgott Zeus dargestellt, um ihn herum im inneren Segment sehen wir sechs Götter und sechs Göttinnen dargestellt. Es folgen die personifizierten Monate und im äußeren Segment die bekannten zwölf Tierkreiszeichen.

Unsere Fragestellung lautet nun: Gibt es eigentlich auch aus unserer Region diesbezügliche Überlieferungen? Daß unsere Vorfahren sehr intensiv den Himmel, Sonne, Mond und Sterne beobachteten, erweisen nicht nur auf bestimmte Gestirnsstände ausgerichtete Heiligtümer wie etwa der Steinkreis von Stonehenge (Südengland), die Steinreihen von Carnac (Bretagne), das Sonnenobservatorium von Goseck (Thüringen) oder der Sonnentempel auf den Externsteinen (Teutoburger Wald), sondern auch die berühmte Himmelsscheibe von Nebra, auf der man Sonne (oder Vollmond) und Halbmond, das Siebengestirn und die als Himmelsbrücke aufgefaßte Milchstraße (vielleicht auch nur eine Himmelsbarke) erkennt.

Die Himmelsscheibe von Nebra, Broncezeit (Nachzeichnung G. v. N.).

Die Mythen der Germanen sind uns in den beiden Eddas, der um 1220 zusammengestellten jüngeren Edda und den um 1087 aufgeschriebenen Liedern der älteren Edda erhalten. Interessant ist nun, daß sich auch in diesen Überlieferungen Hinweise auf einen Kreis von 12 Göttern und von Tierkreiszeichen finden.

In der jüngeren Edda heißt es z. B. über das Göttergeschlecht der Asen (Gylf. 20):

>Da fragte Gangleri: „Welches sind die Asen, an die die Menschen glauben sollen?“ Harr antwortete: „Es gibt zwölf götterentstammte Asen“. Da sprach Jafnharr: „Die Asinnen sind nicht weniger heilig und ihre Zahl ist nicht geringer“.<

Hier wird also offenbar von 12 Göttern und 12 Göttinnen ausgegangen. Es werden dann allerdings 13 Götter aufgezählt, so daß wir also einen 13er Kreis haben, wie die schon erwähnte byzantinische  Darstellung. Der 13er Kreis ist natürlich der 12er Kreis mit dem obersten Himmelsgott in der Mitte. Auf den Tierkreis bezogen sind es 12 Tierkreiszeichen, die um einen Mittelpunkt kreisen.

Wenn wir die 12 Tierkreiszeichen auf 12 Götter beziehen dürfen, dann können wir die Vorstellung, daß die Tierkreiszeichen unser Schicksal anzeigen, gleichfalls übernehmen: Die Götter des Götterkreises wirken unser  Schicksal (vielleicht teilen sie es uns auch nur nach unserem jeweiligen Karma zu), treffen Entscheidungen über Ereignisse unserer Lebens. Auch das wird in der jüngeren Edda angedeutet (Gylf. 14):

>Gangleri fragte: „Was tat Allvater, als Asgard gebaut war?“ Harr antwortete: „Zuerst setzte er Richter ein, die über das Schicksal der Menschen entscheiden und die Einrichtungen in der Burg bewahren sollten. Das war an dem Ort, der Idafeld heißt, mitten in der Burg. Ihr (der Götter) erstes Werk war, einen Tempel zu bauen worin ihre Stühle standen, zwölfe an der Zahl und überdies einen Hochsitz für Allvater“<.

Asgard ist die Welt der Asengötter. Übrigens gibt es in der Gautreks Saga auch ein Beispiel dafür, wie die Götter das Schicksal zuteilen. Der Held dieser Sage Starkad kommt auf einer Insel in einen Kreis, wo 12 Richter sitzen und Odinn als dreizehnter Richter auf einem Thron platz nimmt. Dann teilen dem Starkad bestimmte Götter dessen individuelles Schicksal zu.

Wem dies nun alles zu heidnisch ist, wer persönlich z. B. aus dem christlichen Weltbild stammt, dem sei gesagt, daß das Original des 1. Buches der Bibel, der Genesis, nicht von einem einzigen Gott ausgeht, sondern dort steht der Begriff „Elohim“ (wörtlich: Götter). Auch nach der Bibel haben also die Götter (Elohim) die Welt geschaffen. Heute deuten manche die „Elohim“ nur als Erzengel, andere wollen einen Majestätsplural für den einen Gott darin erkennen, doch schreibt z. B. der Talmud „Jachveh schuf die Elohim“, mithin muß man wohl schon differenzieren.

Später wurden dann auch im Christentum die Tierkreiszeichen mit den zwölf Aposteln identifiziert, die nun die Stellung der Götter übernahmen.

Wir wollen natürlich gerne wissen, welche Gottheiten für jedes Tierkreiszeichen zuständig sind. So können wir weitere Aufschlüsse über unser eigenes Horoskop bekommen und unsere Beziehungen zu bestimmten Gottheiten erkennen. Auch das kann man dann deuten, denn jede Gottheit wird ja in den Mythen anders charakterisiert.

Ich will nun nicht mit irgendeiner willkürlichen Zuordnung aufwarten, denn natürlich kann jeder in der Astrologie Kundige derartige Zuordnungen treffen. Ich möchte auf ein Lied der älteren Edda hinweisen, in welchem in 12 Strophen Himmelsburgen mit Gottheiten oder Götterpaaren aufgezählt werden. Es ist das Lied „Grimnismál“. Schon Anfang des 19. Jh. hatte der Forscher Finn Magnussen in diesem Lied die Zeichen eines altnordischen Tierkreises erkannt, weitere Forscher folgten ihm, zum Beispiel F. J. Mone (1822) und gegenwärtig zeigt das staatliche isländische Museum Þjóðmenningarhus in Reykjavik ein Modell des Weltbildes der Wikinger, bei dem diese Himmelsburgen mit den Zeichen des Tierkreises identifiziert werden (siehe Bild). Genau diese Zuordnung hatte ich bereits vor 20 Jahren erarbeitet und veröffentlicht.

Abb.: Modell des Weltbildes der Wikinger, ausgestellt im isländischen Museum Þjóðmenningarhus in Reykjavik. Der Tisch stellt das vom Meer umgebene Midgard dar, in der Mitte die Burg Asgard. Darüber findet sich eine durchsichtige Ebene, die die 12 Himmelsburgen und Tierkreiszeichen zeigt, darüber die Milchstraße mit dem eigentlichen Himmel.


Die Himmelsburgen entsprechen dabei natürlich auch den Himmelshäusern der Astrologie, die Gottheiten den jeweiligen Tierkreiszeichen. Die Zuordnung beginnt mit dem Tierkreiszeichen des Widder zur ersten Strophe dieser Aufzählung und damit zur ersten Himmelsburg und zum ersten Götterpaar, dann folgen die andern Tierkreiszeichen in ihrer üblichen Reihenfolge, die zu den weiteren Strophen in ihrer überlieferten Reihenfolge gesetzt werden. Weder werden die Tierkreiszeichen, noch die Strophen dieses Eddaliedes dabei vertauscht oder umgestellt. Da der Text von seiner Länge den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, führe ich nur die Zuordnung selbst an: Das Tierkreiszeichen, der Name der Himmelsburg und die Namen der Gottheiten dieses Zeichens:
 

Widder:  Þruðheimr (Kraftheim) Þórr und Sif;
Stier: Álfheimr (Elbenheim) Freyr und Gerðr;
Zwillinge: Valaskjálfr (Valis Bank) Váli und Sól;
Krebs: Söcqvabekkr (Sinkebach) Óðinn und Saga;
Löwe: Glaðsheimr (Freudenheim) Bragi und Iðunn;
Jungfrau: Þrymheimr (Lärmheim) Loki und Skaði;
Waage: Breiðablik (Weiter Blick) Baldr und Nanna;
Skorpion: Himinbjorg (Himmelsburg) Heimdallr und Vár;
Schütze: Fólkvangr (Völkerfeld) Óðr und Freyja;
Steinbock: Glitnir (Glanzheim) Forseti und Syn;
Wassermann: Nóatun (Schiffsstätte) Njörðr und Njörunn;
Fische: Landviði (Waldland) Viðarr und Snótra.

Daß bei der Entstehung dieses Liedes keineswegs nur irgendein Dichter antike Tierkreisvorstellungen übernommen und in ein nordgermanisches Gewand gekleidet hatte, kann man daran erkennen, daß im Original in der 2. Strophe noch eine zusätzliche Himmelsburg „Ydalir“ (Eibentäler) des Gottes Ullr genannt wird, die dann aber in der 3. Strophe nicht mitgezählt wird. Offenbar kannte man damals noch die nach dem Mond gerechneten Monate (von je 29,5 Tagen), und bei diesem Kalender mußte alle 2-3 Jahre ein 13. Mondmonat eingeschoben werden, um das Mondjahr (12 x 29,5 Tage sind 354 Tage) zum Sonnenjahr (365 Tage) auszugleichen. Wir haben hier also eine archaische, uralte Zuordnung vor uns. Deswegen dürfen wir auch nicht eine völlige, hundertprozentige Übereinstimmung mit unserer heutigen Astrologie erwarten, denn auch unsere moderne Astrologie hat sich bekanntlich in den letzten Jahrtausenden stetig weiterentwickelt. Dennoch finden wir verblüffende Übereinstimmungen zwischen den Gottheiten und dem jeweiligen Tierkreiszeichen bzw. zugeordneten astrologischen Haus.

Wir können nun also z. B. diejenigen Gottheiten heraussuchen, die zu unserm Sonnenzeichen (dem Tierkreiszeichen, in dem wir geboren sind) und zu unserem Aszendent (dem bei unser Geburt im Osten aufgegangenen Zeichen) passen. Damit erhalten wir die für unser Leben entscheidenden Gottheiten, wobei ein Astrologe hier natürlich auch die wichtigen Planeten usw. berücksichtigen wird.

Ich führe hier nun die Gottheiten auf und versuche, ihre jeweilige Zuständigkeit und ihre Naturentsprechung kurz zu beschreiben:

Þórr (Donar): Gewitter, Regen, Fruchtbarkeit, Kraft, Weihe, bäuerliche Arbeiten, Reisen.
Sif: Wachstum, Schützerin der Pflanzen, Erdwachstum.

Freyr: Fruchtbarkeit, Frieden, Liebe, Freude, Reichtum, Sonnenfeuer, Feuer.
Gerðr: Wintererde, Fruchtbarkeit.

Váli: Schutz von Haus und Heiligtum, Wiedergeburt, Kampf, Morgenröte.
Sól (Sunna): Sonne, Sieg, Schutz.

Óðinn (Wodan): Sturm- und Totengott, Ekstase, Zauber, Schöpfergott, Himmelsgott, Weisheitsgott.
Saga: Familie, Sagen, Überlieferungen, Geschichtskunde, Quellen, Gewässer.

Bragi: Dichtkunst, Gott des gesprochenen Wortes, Weisheit, Vogelgesang.
Iðunn: Jugendkraft, Unsterblichkeit, Weisheit, das Grünen der Natur.

Loki: List, Verschlagenheit, Lüge, Umwandlung, Revolution, Wildfeuer.
Skaði: Winter, Jagd, Winterstürme, Umwandlung.

Baldr: Licht, Erleuchtung, Reinheit, Heiligkeit, Sonne, Tag.
Nanna: Mut, Kühnheit, Treue, Abendröte.

Heimdall (Mannus): Weisheit, Wissen, Wissenschaften, Ahnenwissen, Wachen, Tod und Wiedergeburt, Mondgott.
Vár: Verträge, Eheverträge, Eide, Bestrafung von Eidbrechern, Erfahren von Verborgenem.

Óðr: Nacht, Dunkel, Liebe, Sterne.
Freyja: Nachthimmel, Mond, Morgen- und Abendröte, Frühjahrserde, Liebe, Gesang, Gesundheit, Geburt.

Forseti: Rechtsverfahren, Gesetze, Sonne.
Syn: Beistand in Rechtsverfahren, Schützerin des Hauses, Herdfeuer.

Njörðr: Fruchtbarkeit, Reichtum, Reisen übers Meer, Fischerei, Wind, Meer.
Njörunn: Fruchtbarkeit, Reichtum, Meer, Erde.

Viðarr: Schutz von Haus und Heiligtum, Wiedergeburt, Kampf, Morgenröte.
Snótra: Tugend, Sittsamkeit, Klugheit.

Es fällt nun auf, daß der Gott Týr nicht vorkommt, desgleichen die Göttin Frigg nicht. Das liegt daran, daß Týr noch im alten Verständnis als ein Himmelsgott im Centrum des Tierkreises gedacht wird, am Nordhimmel (Nordstern) und Frigg, die sowohl Erd-, als auch Himmelsgöttin ist, ist auf die untere Himmelskuppel und die Erde zu beziehen, steht also gleichfalls im Zentrum dieses Kreises. Der Forscher Otto Sigfrid Reuter (Halbbruder des Politikers Ernst Reuter) hatte das Weltbild unserer Vorfahren schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts ansatzweise entschlüsselt. Danach ist der Götterkreis mit dem Tierkreis identisch. Die Götter sitzen also im Kreis um den Weltbaum, dessen Stamm ein Bild für die Weltachse ist, die vom irdischen Nordpol zum Himmelsnordpol verläuft und um die sich der Tierkreis dreht. Ihr Ende ist der Ort am Himmelsnordpol, wo der Polarstern steht. Diesen Ort am Himmel identifizierten die Germanen – laut Reuter - mit dem Sitz des Gottes Týr. Deswegen hat man diesen Kreis der Götter um den Gott Týr auch „Tyrkreis“ genannt, statt „Tierkreis“.

Die Zeichnung zeigt dieses Weltbild:

Schematische Darstellung des Götter- und Tierkreises (Zeichnung G. v. N.).

Neben den Tierkreiszeichen und ihren Göttern haben wir die Planeten, die noch heute die Namen römischer Gotheiten tragen. Seit etwa 1600 Jahren gibt es auch eine germanische Zuordnung, die schon durch die Wochentagsnamen belegt ist:

Sonne Sonntag Sól (Sunna);
Mond Montag Heimdallr (Mannus);
Mars Dienstag Týr (Tius);
Merkur Wodanstag (Mittwoch) Óðinn (Wodan);
Jupiter Donnerstag Þórr (Donar);
Venus Freitag Frigg, später Freyja (Frova);
Saturn Sonnabend nicht zugeordnet, später Frigg.

Steht nun ein bestimmter Planet (Gottheit) in einem Zeichen (Götterburg anderer Gottheiten), ist es möglich, einen Mythos herauszusuchen, wo erzählt wird, wie diese Gottheiten zusammentreffen. Steht z. B. der Mars im Widder, entspräche das einem Zusammentreffen von dem Gott Tyr mit Thorr und Sif, und man könnte entsprechende Mythen interpretieren.

Und dieser Götterkreis ist auch ein Jahreskreis, also auf die Monate zu deuten. Loki ist der Gott in diesem Kreis, der als Verräter wirkt, der also die andern Götter heimlich bekämpft.

In der neutestamentlichen Vorstellung finden wir den Kreis der 12 Jünger um Jesus (als 13.), auch hier gibt es einen Verräter: Judas.

Und im Mittelalter dann tritt wiederum ein anderer Kreis an die Stelle des uralten Götterkreises: Die Tafelrunde des Königs Artus. Hier ist Mordred der Verräter.

© Allsherjargode Géza v. Nahodyl Neményi 2009