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Weihnachtsirrtümer?

 

Im Folgenden dokumentiere und kommentiere ich den Artikel "24 populäre Irrtümer rund ums Weihnachtsfest" von Martin Marheinecke (Rabenclan, Nornirsaett). Hier wird der Versuch gemacht, die Weihnachtbräuche als nicht authentisch, als modern darzustellen. Dem muß widersprochen werden.

1. Das jüdische Channukka und das christliche Weihnachten sind im Grunde dasselbe Fest
Auch wenn so mancher „weihnachtlicher“ Brauch in die Channukkafeiern vieler heutiger Juden eingegangen ist: Die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Feste erschöpfen sich darin, daß sie etwa zur selben Zeit im Jahr stattfinden, und daß sie beide irgendwie mit Lichtern zu tun haben (...)

Mag sein oder nicht. Für uns Altheiden ist es völlig ohne belang, ob das jüdische Fest etwas mit dem Fest der Wintersonnenwende zu tun hat, oder nicht. Es wäre naheliegend, da Palästina 200 Jahre teil des persischen Großreiches gewesen ist und somit indogermanische Einflüsse möglich sind.

2. Weihnachten ist ein “urwüchsig-germanisches” Fest
Das ist eine Geschichtslegende mit einem Körnchen Wahrheit. Das Körnchen Wahrheit besteht darin, daß vermutlich einige Bräuche des germanischen Mitwinterfestes auf das zeitnah gelegene Weihnachtsfest übergingen. Vom älteren Fest wurden im wesentlichen Äußerlichkeiten wie der Julschmaus und der Juleber übernommen. Das christliche Weihnachten ist nicht das heidnische Mitwinterfest, sondern es ersetzte es. Für ein „Sonnenkind“ oder ähnliche mitwinterliche Geburtsmythen fehlen im germanischen Raum alle Belege, so daß es bei den Inhalten des Festes einen deutlichen Bruch gegeben haben wird
Eine in der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts entstandenen und später vor allem durch den Nationalsozialismus geprägte, weit verbreitete, aber wissenschaftlich nicht haltbare Ansicht ist es, daß das Mitwinter- oder Julfest ein Vorläufer des Weihnachtsfestes wäre, das im Zuge der Christianisierung übernommen wurde, und es dessen Termin (mit-)bestimmt habe. Dagegen spricht z. B. daß der Termin für Weihnachten am 25. Dezember schon lange vor der Missionierung des „rechtsrheinischen“ Germaniens üblich war. Die Vorstellung von den von der Kirche dem Volke „geraubten“ und dann lügenhaft christliche „überformten“ heidnisch-germanischen Weihenächten ist eine historische Projektion kirchenfeindlicher Germanenschwärmer.

Hier wird zwischen Weihnachten und dem Mittwinterfest unterschieden. Schon diese Unterscheidung ist falsch und beruht auf einer Unkenntnis des alten Kalenders. Es stimmt, als die Römer feste, vom Mondlauf unabhängige Monate hatten, fiel die Wintersonnenwende und damit ihr heidnisches Fest "Sol Invictus" auf den 25. 12. Aber im Norden gab es diese Monate noch nicht, dort wurde nach wie vor auf der Wintersonnenwende gefeiert. Als dann die festen (römischen) Monate eingeführt waren, lag die Wintersonnenwende auch hierzulande noch auf dem 25. 12., doch die Wintersonnenwende verschob sich ja wegen des fehlenden Jahrhundertschalttages immer mehr nach vorne bis auf den 20. 12. Deswegen klaffte das nun christlich gewordene römische Fest (25. 12.) und das heidnische (damals um den 22. 12., der Wintersonnenwende), auseinander. Das liegt am Kalender, nicht daran, daß es zwei unterschiedliche Feste gewesen sind. Auch daß es kein "Sonnenkind" oder ähnliche Geburtsmythen gegeben hätte, ist ganz falsch. Schon die Römer, ein indogermanisches Volk, feierten zur Wintersonnenwende das Fest "Dies Natalis Sol Invictus" ("Tag der Geburt des unbesiegten Gottes Sol") – schon das ist also die Geburt eines Sonnengottes. Die Germanen feierten die Wiedergeburt des Gottes Ing-Fro (Yngvi-Freyr), auch durch Seinen Eber symbolisiert. Das beweist der erhaltene gotische Jultanz aus dem 6. Jh., in dem es u. a. heißt:

>Du, o Tul, schön vom ersten Tage an,
sollst siegen, Tul und Mutter!
Eber, Eber, kehre du nun
in vollzählige Schar zurück
So komme zu uns, vom Tode erstanden<.

"Tul" kann wohl "Gottheit" bedeuten, der erste Tag des Gottes (also Seine Geburt) wird genannt, desgleichen der vom Tode erstandene Eber als Symbol des Gottes Fro.

3. Die „Julfeier” am Tag der Wintersonnenwende war Propagandaerfindung der Nazis
Obwohl manche (nicht alle) Nazis das christliche Weihnachtsfest durch ein pseudo-germanisches „Julfest“ ablösen wollten, ist der Begriff „Jul“ keine Nazi-Wortprägung. Es stimmt auch nicht, das Jul nur das skandinavische Wort für „Weihnachten“ sei, und daß das Weihnachtsfest in Deutschland vor den Nazis niemals so genannt wurde.
In den skandinavischen Sprachen heißt Weihnachten heute Jul, im Englischen gibt es den Begriff Yule und im Nordfriesischen heißt es Jül. Es ist aber unstrittig, daß das Wort selbst vorchristlich ist. Die Kirche hatte vergeblich versucht, das Wort durch andere Begriffe zu ersetzen (Norrøn:
Dróttins burðar tíð, Altschwedisch: gudz födzlo hötidh).
Es gab bei den vorchristlichen Germanen ein Fest zur Wintersonnenwende, allerdings läßt sich aufgrund der spärlichen Quellenlage kaum etwas darüber sagen. Etwas genauer sind wir über das Mitwinterfest der Nordgermanen zur Wikingerzeit unterrichtet, so z. B. über das „Midvinterblot“ (Mittwinteropfer) im schwedischen Alt-Uppsala, das vom christlichen Chronisten Adam von Bremen geschildert und mit gruseligen Menschenopferschilderungen ausgeschmückt wurde. Auch aus Saga-Texten und der Edda läßt sich einiges über die Julgebräuche dieser Zeit ableiten, allerdings sollte man nicht vergessen, daß diese Texte erst lange nach der Missionierung niedergeschrieben wurden. Auch Volkssagen, wie die über die „wilde Jagd“ zu den Rauhnächten, geben Hinweise auf die germanischen Mitwintervorstellungen – allerdings kaum mehr als eben Hinweise. Dasselbe gilt auch für die zahlreichen Jul-Sagen aus dem skandinavischen Raum.

Was will Marheinecke eigentlich sagen? Das Julfest gab es, das bestätigt er ja. Aber seiner Meinung nach gab es das nicht bei uns in Südgermanien. Das muß man bezweifeln. Wiederum krankt diese Aussage daran, daß hier zwischen Julfest und Mittwinterfest unterschieden wird; diesen Unterschied gibt es aber gar nicht. Das Mittwinterfest gab es, "Julfest " ist ein anderer Name dafür. Nichts davon stammt von den Nationalsozialisten. Der Name "Jul" findet sich sogar in Finnland noch. Die Frage ist also, ob es den Namen "Jul" auch hier bei den Südgermanen gegeben hatte. Das kann bejaht werden, wie die Monatsnamen beweisen. Die älteste Aufzeichnung deutscher Monatsnamen findet sich in dem Rest eines gotischen Kalenders, und da wird der Name "jiuleis" für den November verwendet. Die nächstälteste Aufstellung altsächsischer Monatsnamen findet sich bei Beda (674-735 u. Zt.); er nennt zwei Monate (wahrscheinlich Januar und Dezember) "giuli" und schreibt zum Dezember: "giuli (aerra jula)". Damit ist die Bezeichnung für Goten und Sachsen belegt und niemand kann sie den Nationalsozialisten zuschreiben.

4. Die “Heimholung des Julfeuers” ist ein altes germanisches Ritual
Auch wenn einige rechtsextreme Neuheiden anderes behaupten: der „alte Volksbrauch“ stammt gerade einmal aus den 1930er Jahren und war nie volkstümlich. Wenn auch das „Julfest“ am Tag der Wintersonnenwende keine Propagandaerfindung der Nazis war, so wurde von offiziellen Stellen (vom Propagandaministerium über den Schulungsdienst der Hitlerjugend über den Lehrerbund bis zum Oberkommando der Wehrmacht) ein durch und durch „urdeutsch / germanisches“ Weihnachtsfest propagiert. Das vor allem für die SS wichtige Julfest wurde 1935 erstmals im großen Rahmen im Freien mit der typischen bombastischen Feuer- und Lichtsymbolik der Nationalsozialisten gefeiert.
Das Fest sollte überall im Reich nach einer einheitlichen Inszenierung ablaufen: Schweigemarsch, Entzünden des Julfeuers, Kranzwurf, Ahnengedenken, Lichtersprüche usw.  Das Ritual der „Heimholung des Julfeuers“ wurde Ende der 30er Jahre frei erfunden, um das öffentlich gefeierte „SS-germanische“ Julfest mit dem familiären Weihnachtsfest zu verbinden: am öffentlich brennenden Julfeuer sollten die Kerzen für den heimischen Tannenbaum entzündet werden. Nach den Vorstellungen einigen Nazi-Ideologen sollte der Christ-baum in “Jultanne” umbenannt werden und Frau Holle den Nikolaus und das Christkind als Gabenüberbringer ablösen. Christliche Symbolik wie das Kreuz sollte beim Schmücken der Häuser durch ein Hakenkreuz bzw. Sonnenrad ersetzt werden, so sollte zum Beispiel ein Hakenkreuz aus Goldpapier auf der Baumspitze stehen.
Wenn auch das „Vollbild“ der NS-Julfeier abgesehen von Feiern der SS oder der Partei kaum realisiert wurde, wirkt die NS-Weihnacht bis heute nach. Vor allem die militärisch inszenierte „Soldatenweihnacht“ hinterließ bleibende Eindrücke. Noch schwerer wiegt, daß die Weihnachtsideologie der Nazizeit, die praktisch alle Weihnachtsbräuche „germanisch“ uminterpretierte, Eingang in die Handbücher und Lexika der damaligen Zeit fanden. Auch nach 1945 wurde diese Bücher benutzt, so daß die NS-Interpretation in viele Bücher und Artikel Eingang fand – oft ohne daß den jeweiligen Autoren bewußt ist, daß die vermeintliche „volkstümlichen Überlieferungen“ aus den Giftküchen von Goebbels Propagandaministerium oder denen der SS-Stiftung „Ahnenerbe“ stammten.

Die feierliche Entzündung des Julfeuers im Freien, das Umziehen mit Fackeln und das eigene Feuer im Hause zu Weihnachten sind auch vor den 30er Jahren bezeugt. So finden wir das Weihnachtsfeuer im Freien nicht nur in Norwegen und Island, sondern auch in Schweina im Harz oder in Südrußland. Fackelumzüge sind aus Nordböhmen und der Schweiz  überliefert, das Feuer im Hause oder eine große Weihnachtskerze sind vielfach bezeugt. Quelle: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens (IX, N 900ff). Daß man von dem Julfeuer aber das eigene Herdfeuer entzündet hat, findet sich in den "Brauchtumsblättern" (Heinz-Holzberg-Ver-lag). Es war ja ein durch Reibung entzündetes Notfeuer, welches Segen bringen sollte. Die Erzeugung dieses Feuers durch zwei Burschen ist schon aus dem Hannoverschen um 1900 bezeugt (P. Hermann, Altdeutsche Kultgebräuche, S. 35).

Übrigens: Einen "Christbaum" gab es nicht, der Weihnachtsbaum wurde zunächst von der Kirche abgelehnt und bekämpft (noch in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts), bis sie ihn scließlich übernahm und als "Christbaum" umtaufte.

5. Der Adventskranz beruht auf dem germanischen Jahreskranz.
Der Adventskranz hat nichts mit einem alten Jahreskreis-Symbol zu tun, er wurde vom Hamburger Sozialreformer und Begründer der „inneren Mission“, Johann Hinrich Wichern, 1839 im „Rauhen Haus“ eingeführt und breitete sich recht schnell im Norden aus, kam aber erst im frühen 20. Jahrhundert auch nach Süddeutschland. Das es tatsächlich ältere „Kranzbräuchen“ gab, erleichterte dem Adventskranz die Ausbreitung, was die Legende vom „uraltem Brauchtum“ des „Sonnenkranzes“ auch nicht wahrer macht.

Warum sollte ein Pfarrer einen Tannenkranz mit Kerzen für die Vorweihnachtszeit erfinden? Ist es nicht vielmehr so, daß die Kränze mit Kerzen der nordischen Lucien als Vorlage dienten? Ist nicht der Kranz zu Weihnachten auch in dem Brauche des "Wepelrodes" bezeugt, und liegt es nicht nahe, den Jahreskreis oder das Jahresrad, welches dem Fest immerhin den Namen gab, irgendwie auch durch Tannenzweige darzustellen?

6. Der Nikolaustag am 6. Dezember war ursprünglich das Wodansfest
Im Verlauf der Christianisierung wurde der Glaube an die germanischen Götter und mit ihnen an Wodan / Odin nicht vollkommen ausgelöscht. Vielmehr existierten sie als Vorlagen für Teufels- oder Spukgestalten weiter. Eine weitere Strategie war die Ersetzung heidnischer Götter durch christliche Gestalten. Charakteristische Eigenschaften Wodans gingen auf den Erzengel Michael, St. Martin und auch auf St. Nikolaus über.
Allerdings fehlt meines Wissens jeder ernstzunehmende Hinweis auf ein germanisches Fest am 6. Dezember. Eher wird es ein Opferfest im November gegeben haben, worauf auch Angaben bei Snorri Sturluson hinweisen.

Der 6. Dezember ist ein Datum auf dem christlichen Kalender, es kann so natürlich nicht heidnisch sein, da die Heiden diesen Kalender gar nicht hatten. Durch die Mondmonate konnte die Wintersonnenwende auf jedes Datum im Dezember oder Januar fallen, auch auf den 6. 12.; der 13. 12. (Luzientag) ist ja auch das alte Datum der Wintersonnenwende.

7. Das Wort „Weihnachten“ weist auf den heidnischen Charakter des Festes hin.
Weihnachten stammt aus dem mittelhochdeutschen „ze den wîhen nähten“, „zu den heiligen Nächten“, und ist in einem Gedicht des Spruchdichters Spervogel aus dem Jahr 1170 erstmals literarisch belegt. Das war gut 200 Jahre nach der Christianisierung der letzten heidnischen Regionen des heutigen Deutschlands, so daß sich damit keine Bezüge zu heidnisch-germanischen Vorstellungen herstellen lassen.

Diese "heiligen Nächte" (wörtlich: "geweihten Nächte") sind natürlich die 12 Nächte des Julfestes. Die Tatsache, daß die Bezeichnung erst 1170 bezeugt ist, darf man nicht zum Anlaß nehmen, sie in der Zeit davon als nicht existent anzusehen. Auf Grund der relativ spärlichen Quellenlage sind viele Bräuche erst aus christlicher Zeit überliefert, ohne daß man ihnen deshalb den heidnischen Ursprung absprechen könnte. Interessant ist ja vor allem, daß die Bezeichnung in der Mehrzahl steht, währen das römische Fest ja bewußt nur einen Tag anspricht "Dies Natalis Sol Invictus" ("Tag der Geburt des unbesiegten Sonnengottes") – weder ist von mehreren Tagen, noch einer Nacht oder mehrerer Nächte die Rede, wie bei den Heiden.

8. Der Weihnachtsbaum ist ein alter germanischer Brauch.
Auch wenn möglicherweise immergrüne Pflanzen schon im Altertum Symbole der Sonnenwende waren: der geschmückte „Tannenbaum“ stammt aus den Festgebräuchen der südwestdeutschen Handwerkszünfte und ist erst in der Renaissancezeit nachweisbar. Der erste Christbaum wurde 1419 von der Freiburger Bäckerschaft aufgestellt. Zünfte und Vereine trugen in den folgenden Jahrhunderten zur Verbreitung des Christbaumes bei. Erst ab dem 18. Jahrhundert gibt es Weihnachtsbäume in privaten Wohnungen, zunächst beim Adel. Ab dem 19. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum Mittelpunkt des bürgerlichen Weihnachtsfestes, und zwar von der Stadt ausgehend, während „alte Bräuche“ sich normalerweise auf dem Lande länger halten.

Wenn doch bereits im Jahre 580 oder im Jahre 1000 der Grünschmuck zur Wintersonnenwende verboten wurde, dann scheint das doch auf eine alte Tradition zu deuten. Aus dem Jahre 1184 stammt eine westphälische Urkunde, die einen weihnachtlichen Baum zum Festfeuer erwähnt. Das ist schon etwa 3 Jahrhunderte früher, als der Baum der Freiburger Bäckerschaft. Also liegt es doch sehr nahe, diesen Brauch auf heidnischen Ursprung zu beziehen.

9. Weihnachtsmärkte sind eine Nazi-Erfindung.
Nein. (...)

Wer derartige Märkte erfunden hat, interessiert uns nicht und betrifft nicht die heidnische Religion.

10. Es gibt keine heidnischen Traditionselemente im Weihnachtsfest.
Man könnte den Spieß umdrehen und nach eindeutig aus der Bibel und der frühchristlichen Überlieferung herleitbaren christlichen Traditionselementen im Weihnachtsfest suchen. Es sind äußerst wenige. Schon das Datum ist nicht biblisch – ursprünglich war der 25. Dezember, wie sogar Papst Johannis-Paul II. öffentlich eingeräumte, der Tag der Geburt des Sonnengottes, Sol Invictus. Das heutige Weihnachtsfest ist ein Konglomerat aus höchst unterschiedlichen Gebräuchen aus verschiedenen Kulturen. Eindeutig „heidnisch-germanisch“ dürfte der „Juleber“ sein, wie wohl auch der Julbock in Skandinavien. Wahrscheinlich gingen heidnisch-germanische Vorstellungen in viele Bräuchen, Sagen und Mythen um Weihnachten ein, es dürfte praktisch unmöglich zu sein, die „germanischen Anteile“ sozusagen herauszudestillieren. So, wie es nicht kaum möglich ist, einen Milchkaffee wieder in Milch und schwarzen Kaffee zu trennen. Der Weihnachtsmann ist auch ein bißchen Odin, aber Odin allein weiß, wie viel.

Nein, es gibt nur germanisch-heidnische Bräuche oder römisch-heidnische (diese aber sehr selten); das Christentum hat lediglich den Geburtsmythos des Jesus auf das Fest übertragen. Alles andere ist heidnisch. Das Christentum hat sowieso keine eigenen Bräuche hervorgebracht, sondern jüdische und römische fortgeführt.

11. Das heutige Weihnachtsfest ist ein Kompromiß aus heidnischen und christlichen Elementen.
Nein. Das Weihnachtsfest ersetzte das heidnische Wintersonnenwendfest, wobei einige mit dem älteren Fest verbundene Traditionselemente auf das neu eingeführte Fest übergingen. Dabei spricht man auch von einer Inkulturation. Eine Form der Inkulturation im 20. Jahrhundert war z.B. die Jugendweihe in der in der DDR üblichen Form. Sie sollte die Konfirmation ablösen, was teilweise gelang, wobei viele „kleinbürgerliche“ Konfirmationstraditionen auf die ursprünglich bewußt „proletarische“ Jugendweihefeier übergingen. (Das ist kein Kompromiß, im Gegenteil!).

Nur die Jesus-Geschichte ist christlich, die Bräuche sind sämtlich heidnisch. "Weihnachten" ist ein (südgermanischer) Name für die 12 Nächte des Mittwinter- oder Julfestes, kein anderes, neu eingeführtes Fest.

12. Schon die ersten Christen feierten Weihnachten.
Die ersten Christen feierten noch keine Weihnachten, denn die Geburt des Menschen Jesus schien gegenüber seiner Hinrichtung und Auferstehung unwichtig, da sie in Erwartung eines „nahen Weltgerichts“ lebten. Erst im Laufe des 3. Jahrhunderts, als die meisten Christen von der Endzeiterwartung abgerückt waren, bürgerte sich der Brauch ein, Jesu Geburt zu feiern – und zwar zunächst am 6. Januar.
Weihnachten blieb lange Zeit ein neben Karfreitag / Ostern zweitrangiges christliches Fest. Die Entwicklung zum heute bekannten Familienfest setzte erst in der Neuzeit ein.

Daß die ersten Christen Weihnachten feiern, haben wir Heiden nie behauptet. Sie lehnten Geburtsfeste sogar eigens ab, weil das heidnisch ist. Erst als sie heidnische römische Bräuche übernommen hatten und Jesus zum Sonnengott (Mithras, Sol) umgedeutet ward, feierten sie nun auch seine Geburt zur Wintersonnenwende.

13. Das skandinavische Mitwinterfest fand ursprünglich Ende Januar statt
Gelegentlich wird behauptet, das das skandinavische Mitwinterfest wäre tatsächlich zur Mitte des Winters, also Ende Januar gefeiert worden. Damit hätte dieses heidnische Fest nichts mit dem christlichen Weihnachten zu tun. Diese Interpretation beruht auf einem Mißverständnis der Angaben des mittelalterlichen isländischen Dichters, Textsammlers und Chronisten Snorri Sturluson, der drei Jahresfeste der vorchristlichen Nordleute nannte: Ein Fest zu Beginn des Winters, ein zweites Fest zur Mitwinterzeit und ein drittes im Sommer, wahrscheinlich zu dessen Beginn. Mitteleuropäer denken bei „Beginn des Winters“ an den Dezember, Island liegt aber so weit nördlich, daß der Beginn des Winters schon Anfang bis Mitte November angesetzt werden muß. „Mitwinter“ bzw. „Midvinter“ ist im skandinavischen Sprachraum noch heute die Mitte der „dunklen Jahreszeit“, von der ab die Tage wieder länger werden. Entsprechende wird in Skandinavien heutzutage „Midsommar“, „Mitsommer“, als Mitte der hellen Jahreszeit, zum Sommerbeginn (21. Juni) gefeiert. Aus den schriftlichen Quellen läßt sich nur erschließen, daß das Julfest zwischen Mitte November und Mitte Januar lag. Der Mitwintertermin ist aber bei weitem der Wahrscheinlichste.
Das Julfest wurde im Jahre 940 vom dänischen König Håkon dem Guten auf den Tag des Christfestes am 25. 12. verlegt, indem er gesetzlich bestimmte, daß das
jólahald zur selben Zeit wie das christliche mælisøl zu feiern sei.

Auch das haben Heiden nie behauptet. Der Termin Mitte Januar ist falsch. Insofern besteht hier Übereinstimmung mit Marheinecke. Allerdings nicht beim letzten Absatz. Hákon bestimmte, daß künftig das heidnische Julfest auf dem gleichen Termin, wie das christliche Julfest zu feiern sei. Er benutzt für beide Feste den Namen "Julfest". Die Termine klafften drei Tage auseinander, weil die Christen auf dem ehemaligen Sonnwendtermin, dem (römischen) 25. 12. feierten, die Heiden aber zur Wintersonnenwende (ca. 22. 12.). Das ließ Hákon nun zusammenlegen, weil es ja einunddasselbe Fest war.

14. Knecht Ruprecht ist ein anderer Name des Gottes Wodan.
Auch wenn einige Charakterzüge Wodans / Odins in die Gestalt des St. Nikolaus (und die des Weihnachtsmannes) eingingen: Die von Jacob Grimm versuchte, wohlweislich hypothetische, etymologische Herleitung von Ruprecht aus dem althochdeutschen hruodperaht = Ruhmglänzender, gilt als nicht mehr haltbar. Selbst wenn sie es wäre, und obwohl hruoperaht durchaus einer der zahllosen Namen Wodans sein könnte, ist die einfache Gleichsetzung eines Ruhmglänzenden mit Wodan fahrlässig. Es ist ja auch nicht jeder Wanderer Wodan.
Heute wird vielmehr mit der Herkunft des Namens auf Brauchfiguren aus dem Alpenland verwiesen. Die Herleitung aus
rûhperht = rauhe Percht beinhaltet einen Verbindung zu winterlichen Umzugsgestalten, die vorwiegend zum Erscheinungsfest (Epiphanie, Drei Heilige Könige) auftreten. Allerdings lassen sich genauere Herleitungen auf Grund der Quellenlage nicht bestätigen.

Natürlich ist die Vorlage für Ruprecht der Gott Wodan, genauso wie für den Nikolaus oder den Weihnachtsmann. Daran gibt es keine Zweifel, siehe den Artikel hier. Wie der Name auch immer zu deuten ist (Namensdeutungen sind immer fraglich), ist dabei nicht entscheidend. Auch ob J. Grimms Deutung oder andere Deutungen glaubwürdiger sind, kann niemand mit Sicherheit sagen. Auch die Bezeichnung "der rauhe Percht" kann sich auf Wodan, den Gemahl der Frau Percht, beziehen. Wodan heißt nach dem Julfest sogar "Jólnir" und Er hat daher eine besondere Bedeutung in diesem Fest, das ist sicher.

15. Der Weihnachtsmann ist eine Erfindung von Coca Cola.
Nein. Wahrscheinlich entstand der Weihnachtsmann während der deutschen Romantik, als Mischung aus den traditionellen Figuren Nikolaus und Knecht Rupprecht.(...) Bereits die Darstellung des Nikolaus im weltweit verbreiteten Struwwelpeter, der 1844 entstand, ist dem heutigen Bild des Weihnachtsmannes recht ähnlich. (...)

Auch das hatten wir Heiden nie behauptet. Der Weihnachtsmann ist natürlich keine Erfindung von Coca-Cola, das ist ja klar.

16. Der Rentierschlitten des Weihnachtsmanns ist einer Erfindung der Werbeindustrie.
Das trifft nur – und auch nur zum Teil – auf das berühmteste Rentier des Weihnachtsmannes zu, auf Rudolph. (...) Der Rentierschlitten geht vermutlich auf den finnischen Joulupukki zurück, ursprünglich die finnische Version des nordgermanischen Julbockes.

Auch das haben wir nie behauptet, daher erspare ich mir einen Kommentar dazu.

17. Väterchen Frost ist eine alte russische Sagenfigur.
Väterchen Frost, Djeduschka Moros ist, im Gegensatz zur in Rußland heute allgemein verbreiteten Vorstellung, eine erst im 20. Jahrhundert eingeführte Abwandlung des Weihnachtsmannes bzw. St. Nikolaus. Väterchen Frost war ursprünglich eine Personifikation des Winters, wie der Deutschen Herr Winter. (...)

Das war uns schon immer klar.

18. Die Bescherung durch das „Christkind“ ist ein katholischer Brauch.
Keineswegs, denn das „Christkind“ als Gabenbringer für die Kinder wurde ausgerechnet von Martin Luther (1483-1546) „erfunden”.
Im ausgehenden Mittelalter wurden die Kinder durch den Heiligen Nikolaus am 6.Dezember beschenkt. Die Protestanten lehnten die katholischen Heiligen, also auch den Heiligen Nikolaus ab, konnten aber den Brauch des Schenkens am Nikolaustag nicht abschaffen. Martin Luther verlegte den Schenktermin auf Weihnachten und ersetzte kurzerhand den Heiligen Nikolaus durch das Christkind, das in der Nacht auf den 25. Dezember Geschenke verteilt.
Erst im 19. Jahrhundert zog das „evangelische“ Christkind zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum auch bei den Katholiken ein.
Zeitgleich spielte das Christkind im protestantischen Weihnachtsbrauch eine immer geringere Rolle und wurde schließlich vom stark durch den Nikolaus geprägten Weihnachtsmann verdrängt. So kam es, daß das eigentlich protestantische Christkind heutzutage hauptsächlich bei katholischen Familien einkehrt.

Vor allem ist bezeichnend, daß das "Christkind" weiblich ist und wie ein Engel dargestellt wird. Hier wurde einfach nur die Sonnengöttin in das Christentum übernommen, ähnlich wie es in Schweden geschah, wo St. Lucia die Sonne symbolisiert. "Heilige Lucia, zeig uns die Sonne" lautet ein alter Spruch aus dem Brauchtum.

19. Zu Knut werfen die Schweden ihre Weihnachtsbäume zum Fester hinaus.
Entgegen der amüsanten Werbung einer bekannten Möbelmarktkette schwedischer Herkunft besteht für Fußgänger in schwedischen Städten keine Gefahr, (...) Zu Knut trifft man sich noch einmal mit den Verwandten, plündert gemeinsam alles Eßbare am Weihnachtsbaum und wirft ihn dann hinterher aus der Wohnung (...)

Ursprünglich blieb der Weihnachtsbaum bis Lichtmeß, also dem heidnischen Fest Fasnacht stehen. Dort wurde er feierlich im "Funkenfeuer" verbrannt.

20. Weiße Weihnacht früher der Normalfall.
Das hängt sehr davon ab, wann „früher“ ist und in welcher Gegend man lebt. Bis ins 19. Jahrhundert herrschte in Europa eine Kälteperiode, die ihren Höhepunkt in der „Kleinen Eiszeit“ des 16. und 17. Jahrhunderts hatte. Damals entstanden sowohl die prachtvollen Winterbilder der niederländischen Landschaftsmaler wie auch die Geschichten von entsetzlichen winterlichen Hungersnöten, die in Märchen wie Hänsel und Gretel ihren Niederschlag fanden. Auf kürzere Sicht gesehen gehören einige der Winter der letzten 20 Jahre zu den mildesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, allerdings gab es auch in den letzten Jahre einige spektakuläre „Schneewinter“, die dank der selektiven Erinnerung besonders im Gedächtnis bleiben. Die Vorweihnachtszeit 2005 z. B. war in Deutschland überdurchschnittlich schneereich und kalt, die des Jahres 2006 nahezu schneefrei und die mildeste seit 15 Jahren.
In der Ebene, vor allem in Norddeutschland, ist Schnee zur Weihnacht ein eher seltenes Ereignis, das im langjährigen Durchschnitt im Raum Hamburg etwa in einem von neun Jahren auftritt.(...)

Interessiert und nicht unbedingt. Wir verehren unsere Götter unabhängig davon, welche Witterung gerade herrscht.

21. Die Drei Heilige Könige waren drei, heilig und Könige.
Der Evangelist Matthäus erwähnte nur “Weise aus dem Morgenland”. Im Neuen Testament steht weder, daß sie Heilige noch Könige, noch zu dritt gewesen seien.
Das Matthäusevangelium berichtet wörtlich von Magoi aus dem Osten, die den neugeborenen König der Juden suchen, weil sie seinen Stern im Aufgang gesehen haben (Mt 2,1-2). Magoi wird im Griechischen allgemein für Magier verwendet, aber auch für die iranisch-medische Priesterkaste aus dem Priesterstamm der Mager. Von daher könnte es sich um persische oder mesopotamische (chaldäische) Sterndeuter handeln. Also keine Könige, sondern entweder zorastische Priester oder chaldäische Astrologen. Bereits die Weisen aus dem Morgenland sind eine geschönte Übersetzung, die „Könige“ der katholischen Tradition nur aus der Kirchengeschichte zu erklären. Die Dreizahl wird auf die drei Geschenke (Gold, Weihrauch, Myrrhe) zurückgeführt – auf frühen Gemälden sind zwischen zwei und acht Magoi abgebildet. Seit der Renaissance werden die drei Weisen manchmal als Jüngling, reifer Mann und Greis dargestellt, häufiger jedoch als der Bezug den zu drei damals bekannten Erdteilen Europa, Asien, Afrika, wobei der afrikanische König oft als dunkelhäutiger „Mohr“ dargestellt wurde.

Das stimmt so nicht. Daß es Könige (und nicht irgendwelche Magier) gewesen sind, leitet die Kirche von Jesaja 60, 3 und 6 ab, wo Könige erwähnt werden, die dem Messias Gold und Weihrauch bringen werden. Die Dreizahl der Könige ist unbestritten, schon das apokryphe armenische Kindheitsevangelium nennt ihre Namen: Gaspar, Melquon, Balthasar. Sie sollen die Erdteile Europa, Asien und Afrika repräsentieren. Diese drei Könige ersetzen ursprünglich drei Götter (Wodan, Hönir und Lodurr).

22. C+B+M steht für die Namen der Heiligen Drei Könige.
Der mit Kreide zum Dreikönigstag an die Haustür geschriebene Segen C+B+M steht nicht für „Caspar und Balthasar und Melchior“, sondern für die Anfangsbuchstaben der Wörter im lateinischen Segensspruch: Christus mansionem benedicat, Christus segnet dieses Haus.

Ja, aber ursprünglich standen die drei Buchstaben für drei weibliche Heilige (Catharina, Margarethe, Barbara) als Ersatz für drei Göttinnen (Ceridwyn, Morigain, Brigid) die das Haus segnen sollten.

23. Der Brauch, sich zu Weihnachen zu Beschenken, stammt erst aus dem 19. Jahrhundert.
Nein. Das ist eine moderne Legende, die erst im Zuge der Kritik am „bürgerlichen Konsumterror“ entstand. (...)

Geschenke zum Julfest finden wir häufig in den nordischen Quellen erwähnt.

24. Jesus wurde an einem 25. Dezember geboren.
In den Evangelien ist kein Datum für den Geburtstag Jesu überliefert. Als sich im Laufe des 3. Jahrhunderts bei den Christen der Brauch einbürgerte, Jesu Geburt zu feiern, lag das Fest am 6. Januar, dem späterer Erscheinungsfest.
Nun gab es um die Wintersonnenwende herum im römischen Reich ein wichtiges Fest, die Saturnalien, zu Ehren des Göttes Saturn, eine Art „Karnevalsfest“ in den drei Tagen vor dem 25. Dezember.
Ab dem 2. Jahrhundert breitete sich die Verehrung des altiranischen Göttes Mithras vor allem in der Legion aus. Züge des Mithras vermischten sich mit denen des Sonnengott Sol; es entstand der Kult des „Sol Invictus“ (unbesiegte Sonne), dem schärfsten Konkurrenten des Christentums im 4. und 5. Jahrhundert. Der jährliche Sieg des „Sol Invictus“ über das Dunkel wurde kurz nach der Sonnenwende, am 25. Dezember, gefeiert, symbolisiert als Geburt des Sonnenkindes.
Um von der Popularität dieses Festes zu profitieren, verlegte der römische Bischof Liberus das Fest der Geburt Jesu auf den diesen Tag. Infolgedessen drangen auch viele mit dem Sonnengott verbundene Vorstellungen in das christliche Fest ein. (...)

Ausnahmsweise einmal ganz richtig.

Wer ideologiefreie Informationen über Weihnachten sucht, der sei auf mein Buch "Die Wurzeln von Weihnacht und Ostern" verwiesen.
 

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