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Wiedergeburt und Karma

 

In neuheidnischen Kreisen kursieren recht unterschiedliche Vorstellungen bezüglich des Glaubens einer Wiedergeburt oder Wiederverkörperung (Re-incarnation). Im alten Heidentum unserer Vorfahren, welches wir Altheiden praktizieren, sind die Überlieferungen doch ziemlich eindeutig und nur schwer hinwegzuleugnen. Der Glaube an eine persönliche Wiedergeburt scheint danach zum festen Bestandteil des alten Heidentums zu gehören.

Schon in den Göttermythen finden wir Hinweise auf eine Wiedergeburt einzelner Gottheiten. So lesen wir etwa in der Völuspá 62 von der Wiederkehr des Gottes Baldr (und Höðr) aus dem Reiche der Hel. Baldr war ja von Höðr mit dem Mistelzweig erschossen worden, und kam in das Totenreich der Hel, an Höðr ward Rache genommen und auch er starb. Nun kehren nach dem Ragnarök beide in einer neuen Welt zurück:

Da werden unbesät Die Äcker tragen,
Alles Böse bessert sich, Baldr kehrt wieder.
In Heervaters Hof wohnen Höðr und Baldr,
Die Walgötter. Was wißt ihr noch mehr?

Zugegeben, ob Baldr dabei in Seinem bisherigen, oder in einem neuen Körper inkarniert, wird nicht gesagt. Dagegen scheint die Wiederkehr von Óðinn und Þórr, von der die Hyndluljóð und Völuspá berichten, in einem gewandelten Zustand zu erfolgen. Óðinn wird zum "Starken von Oben", Þórr zum "gleichfalls Mächtigen".

Jedenfalls zeigen diese Mythen, daß die Vorstellung, daß Götter oder auch Menschen aus dem Totenreich zurückkehren können, auch bei unseren Vorfahren bekannt waren. In späterer, christlicher Zeit wurde der auf Seine Wiederkehr harrende Gott Wodan übrigens durch verschiedene irdische Könige, die in einem Totenberg mit ihren Rittern hausen, ersetzt: Kaiser Barbarossa wartet im Kyffhäuser auf seine Wiederkehr, Artus in Glastonbury, auch Karl und andere Könige warten auf ihre Zeit.

Die germanische Mythologie kennt ein cyclisches Weltbild, welches die Phasen "Entstehen – Sein – Vergehen – Neuentstehen" umfaßt. Ohne die Vorstellung eines neuen Lebens nach dem Tode ist diese Mythologie nicht vollständig zu verstehen. Die Natur stirbt im Winter, um im neuen Jahr in einem neuen Frühling neu zu ergrünen; aus dem Tod des Winters erfolgt eine Neugeburt. Schon dieser Wechsel der Jahreszeiten muß naturverbundene Menschen unweigerlich auf den Gedanken einer Wiedergeburt gebracht haben, und es ist nur logisch, diesen Gedanken auch auf das Leben der Menschen und Tiere zu beziehen.

Ein glücklicher Zufall hat uns einen gotischen Jultanz aus dem 6. Jh. erhalten, in welchem die Wiederkehr bzw. Auferstehung eines Ebers (und damit sicher Synonym des Ebergottes Ing-Fro) besungen wird. Es heißt darin (der vollständige Text in meinem "Götter, Mythen, Jahresfeste" S. 230f):

>Du o Tul, schön vom ersten Tage an,
Sollst siegen, Tul und Mutter!
Eber, Eber, kehre du nun in vollzählige Schar zurück
So komme zu uns, vom Tode erstanden.<

Von den (indogermanischen) Griechen kennen wir die orphisch-pythagoreische Lehre von der Wiedergeburt, die nach Ansicht von Forschern möglicherweise auf altem Volksglauben beruht. Danach muß die durch die Geburt sündig gewordene Seele nach Ablauf von 1000 Jahren nach dem leiblichen Tode noch neunmal in andere Leiber übergehen und sich vor jeder Wiedergeburt wiederum 1000 Jahre der Läuterung unterziehen. Dabei kann sie jeweils den Körper selbst wählen. Wählt sie schlecht, so kann sie eine Tier- oder Pflanzenseele werden. Erst wenn sie den großen Kreislauf von 10000 Jahren beendet hat, kehrt sie frei in ihren Ursprung, den Äther, zu den Göttern zurück (Orph. Frg. 226). Hier ist also der Gedanke von mehreren Wiedergeburten, die die Seele zurücklegen muß, bis sie dereinst gereift und geläutert zu den Göttern eingehen darf, klar formuliert. Die Zahlen (1000 Jahre) wird man allerdings eher symbolisch verstehen müssen.

Doch wenden wir unsern Blick zu den Celten. Der Schriftsteller Diodorius schrieb (Weltgeschichte V, 28) im 1. Jh. v. u. Zt. über dieses indogermanische Volk:

>Bei der Mahlzeit geraten sie auch häufig aus unbedeutendem Anlaß in einen Wortwechsel und fordern einander zum Zweikampf heraus, da sie sich aus dem Verlust des Lebens nichts machen. Es herrscht nämlich bei ihnen die Lehre des Pythagoras, daß die Seelen der Menschen unsterblich sind und nach einer bestimmten Zahl von Jahren wieder ins Leben treten, indem die Seele in einen anderen Körper eingeht. Daher werfen auch einige bei der Bestattung der Toten Briefe, die an die verstorbenen Verwandten gerichtet sind, auf den Scheiterhaufen, in der Annahme, die Toten würden diese lesen.<

Und der römische Schriftsteller Lucan (1. Jh. u. Zt.) ergänzt:

>Aber ihr versichert uns, daß keine Geister das erlesene Königreich Erebus aufsuchen, sondern daß der Geist mit einem neuen Körper in einer andern Welt weilt. Wenn wir eure Gesänge richtig deuten, dann ist der Tod nur eine Pause in einem langen Leben<.

Diodorius war dabei etwas genauer, denn nach seiner Schilderung gelangt die Seele ins Jenseits und verkörpert sich erst nach einer gewissen Zeit wieder, während Lucan es so darstellt, als wenn dem Tode unmittelbar die nächste Incarnation folgen würde, was dann die Frage aufwirft, welche Funktion die Totenreiche in diesem Bilde haben sollten.

Jedenfalls verdeutlichen diese Quellen (die man noch z. B. durch Strabon ergänzen könnte), daß die Lehre der Wiedergeburt bei den Celten bekannt war. Wie wichtig sie war, berichtet Cæsar (de bello gallico VI, 14). Er schrieb über die Lehre der Druiden:

>Der Kernpunkt ihrer Lehre ist, daß die Seele nach dem Tode nicht untergehe, sondern von einem Körper in den anderen wandere.<

Der Ausdruck "Kernpunkt" sagt hier aus, daß die Wiedergeburtslehre gerade als besonders wichtiger Bestandteil der Druidenlehre angesehen wurde.

Bei dieser Bedeutung des Wiedergeburtsglaubens für die Celten wäre es höchst merkwürdig, wenn die Nachbarn der Celten, die Germanen, keine ähnliche Lehre gekannt und vertreten hätten. Tatsächlich gibt es einige Überlieferungen, die uns Belege für das Vorhandensein von Wiedergeburtsvorstellungen auch bei den Germanen sind. Der griechische Geschichtsschreiber Appian, der im 2. Jh. eine römische Geschichte (Historia Rom. I, Lib. IV, De rebus Gallicis) wohl nach Asinius Pollio verfaßt hatte, berichtete von den Germanen des Ariovist, sie seien Verächter des Todes gewesen, infolge ihrer Hoffnung auf eine Wiedergeburt. Diese Quelle wurde allerdings auch im Sinne eines Weiterlebens der Seele im Reiche der Götter gedeutet.

Aber es gibt aus der klassischen Zeit noch ein Zeugnis des röm. Dichters Marcus Annaeus Lucanus, der im 1. Jh. nach der Zeitwende lebte. Er schrieb im Gedicht "Pharsalia":

>Die nördlichen Völker fürwahr sind glücklich in ihrer Einbildung, da jener größte der Schrecken sie nicht bedrängt: die Furcht des Todes. So stürzen die Männer mutig dem Stahl entgegen und sterben mit williger Seele. Hier heißt feig, wer das Leben schont, das doch wieder zurückkehrt.<

Gegner von Wiedergeburtsvorstellungen behaupteten, in derartigen Quellen hätten die Verfasser lediglich griechische Vorstellungen übernommen und den "Barbaren" untergeschoben. Warum das geschehen sein sollte, und warum auch Römer sich daran beteiligt haben sollten, wo doch in Rom derartige Vorstellungen gar nicht mehr herrschten, kann aber nicht erklärt werden.

Doch kommen wir nun zu der Edda. In den Helgiliedern finden wir mehrfach die Wiedergeburt erwähnt. Die Verbundenheit von Helgi und seiner Valkyre wird durch drei Inkarnationen, also drei unterschiedliche Erdenleben, erzählt, und zwar

Helgi Hjörvarðzsónar - Valkyre Sváva,
Helgi Hundingsbana - Valkyre Sigrun und
Helgi Haddingjarskaði - Valkyre Kára.

Der gleiche Vorname Helgi deutet an, daß es immer der gleiche Held in einem anderen Körper ist, und das wird auch in den Nachsätzen unter den Liedern gesagt.
Im ersten Helgilied (Helgaqviða Hjorvarðzsonar), Prosa vor Str. 10, erfahren wir, daß Sváva dem Helgi den Namen gab:

>Eylimi hieß ein König, seine Tochter war Sváva; sie war Valkyre und ritt Luft und Meer. Sie war es, die Helgi den Namen gab, sie schirmte ihn oft seitdem in den Schlachten<.

Daß sie den Namen gibt, muß man so verstehen, daß sie ihn bereits aus früherer Zeit kennt bzw. mit ihm irgendwie verbunden ist. Es heißt auch in dem Liede (Prosa vor Str. 6), daß kein Name an dem später Helgi genannten Helden haftete bis Sváva ihn gab. In Prosa 4 (vor Str. 31) des Liedes wird erzählt, wie Helgi Sváva heiratete, in der Prosa vor Str. 36 wird von Helgis Tod berichtet. Und die Schlußprosa nach Strophe 43 lautet:

>Von Helgi und Sváva wird gesagt, daß sie wiedergeboren wären<.

(Im Original steht "endrborinn", das heißt wörtlich "wiedergeboren"). Es geht nun weiter im nächsten Lied, Helgaqviða Hundingsbana in fyrri. Hier ist Helgi der Sohn der Königin Borghildr (im anderen Lied war Sigrlinn seine Mutter) und Sigmunds (statt Hjorvarðs). Seine Valkyre heißt hier Sigrun, mit der er sich in vielen Abenteuern verbinden kann. Weiter geht es im Liede Helgaqvida Hundingsbana önnur. Hier wird nun erneut von der Wiedergeburt berichtet (Prosa vor Str. 4):

>Högni war ein König; dessen Tochter war Sigrun. Sie war Valkyre und ritt Luft und Meer. Sie war die wiedergeborene (endrborin) Sváva<

Die Valkyren entsprechen sich also, auch der Helgi ist immer der gleiche (gleicher Vorname, gleiche Valkyrenpartnerin mit der überirdischen Liebe). Helgi heiratet nun Sigrun und wird schließlich im Kampfe getötet (Prosa vor Str. 28). Sigrun geht nun noch in den Grabhügel Helgis und liegt bei ihm. Schließlich heißt es am Ende des Liedes (Prosa nach Str. 50):

>Sigrun lebte nicht mehr lange vor Harm und Leid. Es war Glaube in der Vorzeit (fornescio), daß Leute wiedergeboren (endrbornir) würden; aber das heißt nun alter Weiber Wahn. Von Helgi und Sigrun wird gesagt, daß sie wiedergeboren wären: Er hieß da Helgi Haddingjaskaði, aber sie Kára, Hálfdans Tochter, so wie gesagt ist im Károljóð (Kára-Lied); und sie war Valkyre<.

Nun ist zwar leider die Károljóð nicht erhalten, aber sie hatte dem Verfasser der Hrómundar saga Gripssónar noch vorgelegen. In dieser Saga wird Helgi Haddingjaskaði von der Valkyre Kára, die als Schwan über ihm schwebte, geschützt. In der Schlacht wider Hromundr schwingt er jedoch das Schwert zu hoch und fügt der Geliebten eine tödliche Wunde zu. Damit ist auch sein Schutz fort und Hromundr spaltet ihm das Haupt. Natürlich könnten er und Kára erneut wiedergeboren worden sein. Wir haben also eine Liebe des Helden zur Valkyre durch drei Inkarnationen.
Wir sehen an diesem Beispiel, daß es nicht um ein allgemeines bzw. nur genetisches Weiterleben des Vorfahren in seinen Kindern geht, sondern um tatsächliche Re-incarnation. Aber sie wird hier als "Glaube der Vorzeit" beschrieben. Deswegen haben manche es so gedeutet, als wenn hier ein aus dem (griechisch-römischen) Altertum übernommener Glaube vorläge. Oder man hat diese "Vorzeit" auf die heidnische Zeit bezogen und die Abfassung der Helgilieder dann in die christliche Zeit hineinbezeitet, so daß sie nun sozusagen als glaubwürdige Quellen für das Heidentum nicht mehr ohne weiteres angesehen werden könnten.

Ich hingegen beziehe "Vorzeit" auf einen älteren Abschnitt innerhalb des Heidentums, wie es ja auch das "Brandzeitalter" (Totenverbrennung) und "Hügelzeitalter" (unverbrannte Totenbestattung) als Abschnitte innerhalb des Heidentums gab. Die Formulierung in den Helgiliedern, "Es war Glaube in der Vorzeit...", bedeutet nicht, daß der Überlieferer dieser Lieder nicht mehr daran geglaubt hätte. Er erzählte diese drei Lieder mit den darin vorkommenden Wiedergeburten, das ist für ihn Tatsache. Nur für seine Zuhörer, die von Wiedergeburt vielleicht nichts mehr wußten, erwähnt er, daß man früher daran geglaubt hatte.

Die Wiederverkörperung setzt das Vorhandensein einer unsterblichen Seele voraus, die den alten Körper im Zeitpunkt des Todes verläßt, und (nach einer gewissen Zeit im Jenseits) in den Körper eines Neugeborenen eingeht, um mit diesem ein neues Leben zu beginnen. Im Altheidentum wird die Seele (Önd) mit dem Atem identifiziert und mit einem Schmetterling oder Vogel symbolisiert. Daß unsere Seelen unsterblich sind, sagt in der Gylfaginning 3 Ódinn (als Þriði) selbst:

>Da sagte Þriði: Das ist das Wichtigste, daß er den Menschen schuf und gab ihm die Seele (önd), die leben soll und nie vergehen, wenn auch der Leib in der Erde fault oder zu Asche verbrannt wird<.

Man hat eingewendet, der Text stamme von Snorri Sturluson, nicht von den Göttern, und er würde nur die christliche Vorstellung der Seele wiedergeben. Doch wird hier im Text für die Seele der eindeutig heidnische Begriff "önd" (Atem, Seele) verwendet, nicht das bekannte "salu" (Seele im christlichen Sinne), welches sich auf zahllosen christlichen Runensteinen ab dem 10. Jh. findet. Läge hier eine christliche Vorstellung vor, dann hätte hier eben statt "önd" eindeutig "salu" stehen müssen.

Auch in den nordischen Sagas finden sich einige Stellen, die von der Wiedergeburt handeln. So sah laut Flateyjarbók (II, 135) das norwegische Volk in Óláf dem Heiligen den wiedergeborenen Óláf Geirstaðaálf.

In der Gautreks saga 7 erzählt Starkað der Alte, er sei ein wiedergeborener Riese, nämlich sein Großvater Starkað.

In der Þorgils saga skarða (Sturlunga saga IX, 42) sagen die isländischen Bauern, daß in Þorgils Skarði der Kolbeinn wiedergeboren sei:

>In der Landschaft herrschte nun große Freude, und die Bauern meinten fast den Himmel auf Erden zu haben, daß sie solchen Häuptling bekommen hätten. Es dünkte sie, Kolbeinn sei zurückgekommen und wiedergeboren, nach dem sie sich immer gesehnt hatten.<

Gegen diese Stelle wurde eingewendet, daß Kolbeinn erst gestorben war, als Þórgils schon 19 Jahre alt gewesen ist, mithin kann Þórgils nicht Kolbeins Wiedergeburt sein. Aber natürlich ist nicht Kolbeinn der Jüngere, sondern Kolbeinn der Ältere (bzw. Kolbeinn Tumisson) gemeint, der eine Generation (20-25 Jahre) früher im Alter von 35 Jahren gestorben war.

In der Eyrbyggja saga 12 wird der Name des Kindes, daß nach seinem noch vor der Geburt gestorbenen Vater Þórgrimr genannt wurde, später geändert:

>Sie ging damals (als ihr Mann Þórgrimr starb) mit einem Kinde und gebar einen Knaben, der wurde in der Wasserweihe zuerst Þórgrimr genannt, nach seinem Vater. Aber als er heranwuchs, zeigte er sich rücksichtslos und händelsüchtig. Da veränderte man seinen Namen und nannte ihn Snorri<.

Man hatte also festgestellt, daß sich der gerade gestorbene Vater doch noch nicht so schnell in dem Sohne wiederverkörpert hatte, da der Charakter des Kindes ganz andersgeartet war. Deswegen also wählte man einen neuen Namen.

In der Vatnsdœla saga (Kap. 13) bewirkt der jüngere Ingimund die Wiedergeburt seines Oheims Jökull, indem er diese prophetischen Worte über seinen zweiten Sohn ausspricht:

>Dieser Junge sieht tatkräftig aus: Er hat scharfe Augen; wenn er lebt, wird er sicher über manchen Mann die Oberhand gewinnen, und er wird nicht leicht umgänglich sein, doch treu zu Freunden und Verwandten – ein großer Recke, wenn meine Augen sehen können; sollten wir nicht jetzt unseres Verwandten Jökull gedenken, wie mein Vater mich gebeten hat? – Er soll Jökull heißen<.

In der Svarfdœla saga Kap. 5 deutet der sterbende Þórólf an, daß er im noch nicht gezeugten Sohne von Þórsteinn wiederkehren will, und sein Heil mitbringt:

>Þórólf sprach: "Ich will dir's sagen. Mir dünkt, mein Name ist nicht allzulange lebendig gewesen, und er wird hinwelken wie dürres Gras, und wenn du hingegangen bist, wird meiner gar nicht mehr gedacht werden. Aber ich sehe, daß du unser Geschlecht herrlich machen und ein langes Leben leben wirst, und du wirst ein sehr großer Glücksmann werden. Ich wünschte mir, wenn dir ein Sohn beschert wird, daß du ihn Þórólf heißest. Aber alles Heil, das in mir geruht hat, will ich ihm schenken; dann könnte ich hoffen, daß mein Name lebendig bleibt, solang die Welt bewohnt wird". Þórsteinn sagte: "Das will ich dir gern zusagen, denn ich hoffe, daß es unsere Ehre sein wird, und Heil wird deinem Namen folgen, solange er in unserem Geschlechte gefüht wird". Þórólf sprach: "Nun hab ich meinen Herzenswunsch ausgesprochen". Nach diesen Worten starb Þórólf.<

In der gleichen Saga (Kap. 26) trifft Karl Vorbereitungen für seinen drohenden Kampftod, indem er zu seiner Frau Þórgerðr sagt:

>Wenn du einen Sohn gebierst, denn du bist in guter Hoffnung, nenne ihn nach mir, ich hoffe, das bringt Glück<.

Karl stirbt nun im Kampf und wird sich vermutlich in seinem eigenen Sohn wiederverkörpern wollen.

Auch in der Egils saga Skallagrímssónar, Kap. 31, wird eine mögliche Wiedergeburt angedeutet:

>Und da er (Þórólf) heranwuchs, war er frühzeitig gewaltig an Wuchs und sehr schön von Aussehen. Alle Leute meinten, daß er dem Sohn Kveldúlfs, Þórólf, sehr ähnlich sähe, nach dem er genannt war.<

In der Hákonar saga góða (Heimskringla), Kap. 1. heißt es über Hákon Aeþelstan-Ziehsohn:

>Da sagten sie Mann für Mann zueinander, Hárald Hárfagr wäre wiedergekommen und noch einmal jung geworden<.

Ähnlich ist auch das Zitat aus der Prests saga Guðmundar góða, Kap. 7, wobei hier nicht klar ist, ob ein allgemeines vom Namen ausgehendes Glück oder Unglück, oder eine Wiedergeburt vorliegt:

>Im Winter nach Weihnachten gebar Þóra Guðmundsdóttir, die Frau Þórvalds, in Runi einen Knaben. Die Leute redeten Þórvald zu, er solle ihn nach (dem verstorbenen) Kolbeinn nennen lassen. Þórvald antwortete: "Mein Sohn wird kaum ein so tüchtiger Mann werden wie Kolbeinn. Auch haben kluge Männer gesagt, man solle sein Söhne nicht nach Männern nennen, die früh von hinnen gerufen wurden. Ich werde meinen Sohn Gizurr heißen<.

In der schon christlichen Jóns saga baptista wird der Wiedergeburtsglaube erwähnt, aber schon als nichtchristlicher Irrglaube bezeichnet.

In der Sagazeit wird dem Kinde gewöhnlich der Name eines kürzlich verstorbenen Verwandten gegeben, was schon in Runeninschriften belegt ist (so die Namen auf dem norwegischen By-Stein, 7. Jh.: eirilaR hroraR hroreR. Der HariwulafR auf dem Stentoften-Stein war wohl der Enkel des HariwulafR der Istaby-Inschrift).

In der Laxdœla saga 13 heißt es:

>Höskuld wurde gefragt, wie der Knabe heißen sollte. Er befahl, den Knaben Olaf zu nennen; kurz vorher war nämlich sein Mutterbruder Olaf Feilan gestorben.<

Diese Sitte weist auf eine persönliche Wiederverkörperung des verstorbenen Verwandten hin; dazu paßt auch, daß "Enkel", ahd. eninchili, "der kleine Großvater" bedeutet.

"Wir kommen wieder" sagten die Leute im Sätterdal, wenn der Tod sie abrief. (HWB I, 234).

Soweit die Quellen, die mehr oder weniger deutlich eine Wiedergeburt andeuten. Wie sieht es nun mit dem sog. "Karma"-Glauben aus?

Die Lehre des Karma ist eng mit der Wiedergeburt verbunden, bildet einen Teil dieses Glaubens. So, wie wir heute diesen Begriff verstehen, stammt er aus dem buddhistisch-hinduistischen Bereich.

Das Sanskritwort "Karma" ("Wirken", "Opfer" usw.) kommt bei den Germanen nicht vor, es gibt aber einen anderen Begriff mit der gleichen Bedeutung: Örløg. Der wird meist mit "Schicksal, Bestimmung" übersetzt, was ungenau ist, denn "lög" ist das Gesetz. Es geht also um eine Urgesetzlichkeit des Schicksals.

Jeder Mensch, der existiert, hat ein Schicksal. Angenommen, Örløg würde nur "Schicksal" bedeuten, dann müßten die ersten Menschen auch solch ein Örløg-Schicksal haben, denn sie waren gerade geschaffen und sollten nun froh ihr Leben leben, ihr Schicksal erfüllen. Doch in der Völuspá 17 heißt es über sie: "örløglausa" ("ohne Örløg") was nur dann einen Sinn hat, wenn Örløg ein Karma bedeutet aus früheren Leben. Das allerdings konnten die ersten Menschen noch nicht haben, sie hatten noch nie vorher gelebt. Örløg ist also nach meiner Deutung Karma. Über die Nornen sagt die Völuspá, daß sie den Menschenkindern das Örløg ansagten.

Man mag mir vorwerfen, daß ich germanische Überlieferungen unter Zuhilfenahme hinduistischer Vorstellungen interpretiere. Damit kann ich leben, denn den Hinduismus sehe ich nicht als fremde Religion an, sondern er ist unser Heidentum in der indischen Version; germanisches und indisches Heidentum sind zwei Äste aus demselben Stamm.

Im Hinduismus unterscheidet man drei Arten von Karma, d. h. "Werken" des Menschen:

1. Taten in früheren Leben, die noch nicht angefangen haben, sich auszuwirken,
2. Taten des gegenwärtigen Lebens; auch diese können durch das richtige Leben getilgt werden,
3. Taten, die schon angefangen haben, Frucht zu tragen, die also den gegenwärtigen Zustand herbeigeführt haben. Diese können nicht aufgehoben werden.

Im Buddhismus (ursprünglich ein Teil des Hinduismus) heißt es, daß das Wirken in Werken, Worten und Gedanken je nach seiner Beschaffenheit den Charakter und das Geschick des Menschen bestimmt und ihn die Folgen dieses Wirkens in immer erneuten Existenzen erfahren läßt. Das Dasein gliedert sich in einen aktiven, verursachenden Karma-Prozeß (kamma-bhava) und in seine Auswirkung, den Wiedergeburtsprozeß (uppatti-bhava).

Welche Andeutungen gibt es nun in den germanischen Quellen über ein "selbsterworbenes Schicksal" oder "Karma"? Leider ist nur wenig erhalten. Aber in dem Eddalied Sigurðarqviða in skamma 45 findet sich ein deutlicher Hinweis. Hier wird Brynhilds schlimmes Karma (sie brachte den Burgundern schließlich viel Unglück) auf eine vorgeburtliche Existenz zurückgeführt:

>Verleid ihr niemand den langen Gang (= Tod)
Und werde sie nimmer wiedergeboren (aptrborin)!
Sie kam schon krank vor die Kniee der Mutter;
Zu allem Bösen ist sie geboren,
Manchem Manne zu trüben Mut<.

Aptrborin (wiedergeboren, nachgeboren) ist eindeutig. Wieso kam sie "krank vor die Knie der Mutter" (= Geburt)? Diese "Krankheit" ist keine übliche Krankheit gewesen, sondern ein schlechtes Schicksal aus vorgeburtlicher Zeit. Sie hat also etwas aus einem früheren Leben und/oder dem Jenseits mitgebracht, was sie dazu bringt, Böses zu tun.

Diese Eddastelle wollen wir nun zusammen mit unsern Volksüberlieferungen von der strafenden Frau Holle, die Gold oder Pech (= Unglück) über die Mädchen ausschüttet, deuten. Frau Holle ist ja eindeutig die Erdgöttin Frigg (Burchard v. Worms schreibt im 11. Jh.: "Friga-Holda"). Die Spindel, die im bekannten Frau-Holle-Märchen der Sammlung Grimm in den Brunnen fällt, ist ein Symbol für den Lebensfaden, der nun zu Ende ist (= Tod). Der Brunnen ist der sog. Tunnel, den man im Augenblick des Todes als Seele durchschreitet, wie wir aus den Schilderungen von Menschen mit Nahtoderlebnissen wissen. Dort findet sich die Seele auf einer grünen Wiese, wo ein Apfelbaum steht. Es ist der Weltbaum, wir sind also in einer spirituellen Welt (vgl. die celt. Apfel- und Jenseitsinsel Avalon), der Backofen ist Symbol der Erde (die kleinen Kinder werden darin gebacken) und die Kuh (in einigen alten Fassungen) ist Symbol der Erdgöttin. Diese heißt hier Frau Holle und deckt sich mit einem Federbett zu, daß mit dem Schnee in Verbindung gebracht wird. Goldmarie und Pechmarie sind Verstorbene, also Seelen, die im Jenseits sind und dann schließlich wiedergeboren werden. Das Tor, durch das die Jungfrauen zurückkehren, ist das bekannte Totentor, das in der Edda drei Mal vorkommt. Es teilt das Totenreich vom Reich der Lebenden und symbolisiert sozusagen (ähnlich wie der Brunnen) den Übergang. Das Gold ist ein gutes Schicksal, weil die Goldmarie eben im früheren Leben und bei Frau Holle gut war, das Pech ist böses Schicksal. Es ist kein einfacher Teer, den man abwaschen könnte: >Und das Pech blieb an ihr haften, ihr Leben lang< heißt es. Sie wird also ihr Leben lang "Pech" (Unglück) haben. Der Hahn (nicht in allen Fassungen) begrüßt morgends die Sonne, ruft sie herbei. Hier begrüßt er die Mädchen in der Welt der Lebenden; es ist ein Symbol, daß sie wieder bei den Lebenden weilen. Die älteste Aufzeichnung des Märchens stammt übrigens von 1595 (Georges Peele, "The old wives' tale").

Ich hatte auch immer gesagt, daß Wiedergeburt und Karma zusammenhängen. Wenn es mehrere Leben gibt, dann kann es nur so sein, daß man irgendetwas vom früheren Leben in das neue hineinnimmt.

Angenommen, es wäre nicht so, die einzelnen Leben wären völlig voneinander unabhängige Ereignisse, wir fingen nach jedem Leben wieder bei Null an. Dann hätte das frühere Leben auf uns, unser jetziges Schicksal, unsere Seele, keinerlei Einfluß.

Dann fragen wir uns: Warum leben einige im Reichtum, sind gesund, und werden auch noch sehr alt, andere in Armut, Krankheit, Sorgen? Die Verteilung des Schicksals wäre dann schlichtweg ungerecht. Da das Schicksal von den Göttern bestimmt wird, wären die Götter ungerecht. "Ungerechte Götter" ist aber ein Widerspruch, Götter sind immer gerecht.

Ein Massenmörder könnte dann also z. B. auf ein neues Leben in Sorglosigkit und Wohlstand hoffen, Bestrafung für seine Untaten hätte er nicht zu erwarten. Einem Heiligen hingegen könnte es passieren, daß er im nächsten Leben "zufällig" in ganz schlimmen Umständen sein muß. Auch das widerspricht unserm Gerechtigkeitsgefühl. Es gibt - philosophisch betrachtet - keinen "Zufall"; das Schicksal kann also nicht vom "Zufall" bestimmt worden sein, es muß bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegen. "Örløg" bedeutet eben auch "Urgesetzlichkeit", nicht "Zufall". Das Schicksal hat seine Gesetze, zu denen der "Zufall" nicht gehört. Das Abtragen von guten und bösen eigenen Taten früherer Leben ist so eine Gesetzmäßigkeit. Wenn sie nicht gilt, dann muß eine andere gelten, denn der "Zufall" kann uns unser Schicksal nicht bestimmen, da er nicht existiert. Und logischerweise können die Götter unser Schicksal auch nicht "zufällig" bestimmt haben. Also welche Gesetzmäßigkeit sollte sonst hier Geltung haben?

Wenn es völlig egal ist, was wir im früheren Leben taten, wenn wir nichts davon mit ins nächste Leben nehmen, dann ist das frühere Leben sinnlos gewesen. Und das derzeitige wäre es übrigens auch. Jedes Leben wäre sinnlos, da ohne irgendein Entwicklungsziel. Wozu brauchte es dann überhaupt Wiedergeburten, wenn sie ohne Ergebnis blieben (auch unsere Seele "reift" ja dann nicht, denn dies setzte doch voraus, daß man irgendetwas vom früheren Leben mitnähme)? Dieses System wäre sinnlos, eine Entwicklung fände nicht statt. Natur bedeutet aber auch Weiterentwicklung, und die Edda lehrt uns, daß das ganze System auf Entwicklung basiert: Entstehen, Sein, Vergehen, Neuentstehen auf einer höheren Ebene.

Würden wir immer bei Null anfangen, wäre das Stillstand. Den kann es in der Natur nicht geben.

Wir können auch unseren religiösen Quellen entnehmen, daß es eine unterschiedliche Behandlung der Seelen im Jenseits gibt: Gute kommen nach Gimlé-Vingólf, andere nach Valholl oder zur Hel, böse aber zu Niflhel. Schon die Indogermanen kannten die Trennung von Guten und Bösen im Jenseits, z. B. auf der Jenseitsbrücke. Zumindest das ist gesicherter Glaube, daß man je nach dem eigenen Leben in unterschiedliche Jenseitsorte kommt. Die Seele nimmt also etwas mit ins Jenseits. Das ist der erste Schritt. Warum sollte nun die Seele bei einer Wiedergeburt nicht gleichfalls etwas mitnehmen? Es wäre unlogisch, wenn es nicht so wäre. Ich sehe das z. B. in der Grímnismál-Einleitung, wo Agnarr 1 von Frigg mit den weiblichen Tugenden, Geirroðr von Óðinn in den männlichen Tugenden unterwiesen werden. Das führt dazu, daß Geirroðr Agnarr 1 tötet und König wird. Sein Sohn ist Agnarr 2, ist nach Agnarr 1 benannt und muß als dessen Wiedergeburt angesehen werden. Dieser Agnarr 2 ist der einzigste, der sich des Zauberers erbarmt (weil er die weiblichen Tugenden hat), und nun gibt ihm Óðinn auch seine Unterweisung und macht ihn zum König. Nur wer die weiblichen und männlichen Tugenden zusammen hat, soll König sein (siehe hierzu meinen: "Kommentar zu den Götterliedern der Edda, Band I, Die Odinslieder).

Dieser Mythos ist ohne Wiedergeburt und vor allem ohne die Vorstellung, daß man etwas aus dem früheren Dasein mitnimmt (nämlich die weibliche Tugend des Mitleides, Erbarmens) gar nicht verständlich.

Deswegen gehe ich davon aus, daß wir sehr wohl einiges aus unserem früheren Leben mitnehmen; das ist übrigens auch durch die moderne Medizin bestätigt worden, die ja Rückführungshypnosen kennt und damit oft psychische Probleme des derzeitigen Lebens erklären konnte. Bestimmte Ängste z. B. rührten von schlimmen Erfahrungen in einem früheren Leben her.

Die Lehre von der Entwicklung und die Vorstellung von gerechten Göttern läßt es gar nicht zu, daß ein früheres Leben ohne jegliche Folgen bleiben sollte. Wenn es eine Wiedergeburt gibt, dann hat diese auch Folgen für das nächste Leben, dann gehört so etwas wie Karma-Örløg logischerweise zwingend dazu.

In der Mathematik kennen wir die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn ich mit einem Würfel einmal würfele, gibt es eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, daß z. B. eine 6 kommt. Wenn ich erneut würfele, dann beginne ich eigentlich völlig vom ersten Wurf unabhängig. Dennoch geht die Wahrscheinlichkeitsrechnung vom früheren Ereignis aus, um die Gesamtwahrscheinlichkeit zu errechnen. Wenn ich z. B. in 100 Würfen nie eine 6 erwürfele, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß die 6 im nächsten Wurf fällt, an, obwohl doch die Chancen immer noch gleich (1:5) bleiben. Die früheren Würfe haben also eine Bedeutung sogar in der Mathematik. Warum sollten frühere Leben dagegen ohne Bedeutung für das jetzige sein?

Meine Erfahrung ist übrigens auch, daß insbesondere sog. "Erstinkarnationen" (Seelen, die das erste Mal in einem menschlichen Körper inkarniert sind), den Glauben an die Wiederverkörperung ablehnen. Sie haben selbst schließlich keinerlei Erinnerung an frühere Menschenleben, da es sie bei ihnen ja auch gar nicht gab. Hingegen nehmen ältere Seelen diesen Glauben viel eher an, weil ihnen innerlich bewußt ist, daß sie schon mehrfach in andern Körpern auf dieser Erde weilten.

Etwas anderes ist die Anwendung der Karma-Lehre. Naive Gemüter mißbrauchen sie, um jedem Kranken, Leidenden, Darbenden die Schuld an seinem Ungemach zuzuschreiben und um damit aus der Verpflichtung zum Helfen befreit zu werden. Aber diese Verpflichtung besteht, und egal wie wir auch immer handeln, bleiben wir Teil des Karmas, schaffen wir mit jedem Gedanken, mit jeder Tat oder mit jeder unterlassenen Tat unser neues Schicksal selbst. "Karma" bedeutet nicht: "Unheil, Unglück", sondern: "Die Folgen des eigenen Tuns". Diese können gut oder schlecht sein, je nach dem eigenen Tun, welches genauso gut oder schlecht ist. So mag es zwar zutreffen, daß etwa ein körperlich Behinderter für seinem Zustand selbst verantwortlich ist, weil er im vorangegangenen Leben falsch gehandelt hatte, dennoch müssen wir ihm helfen und ihm sein derzeitiges Leben erleichtern. Denn täten wir das nicht, machten wir uns genauso schuldig und würden vielleich im nächsten Leben selbst ein negatives Karma erwirken. Der Hinweis, daß wir in sein derzeitiges negatives Karma unzulässig eingreifen, indem wir es erleichtern, und er es somit in diesem Leben gar nicht abarbeiten konnte (und deswegen vielleicht noch einmal mit solch einer Behinderung inkarnieren muß), ist nicht überzeugend, denn wir wissen ja nicht, ob sein negatives Karma nicht gerade beendet war und wir als Werkzeug des Schicksals dazu hätten beitragen müssen, daß es beendet wird. Und denkbar ist auch, daß eine Seele solch eine Belastung freiwillig auf sich nimmt, ohne dies als negatives Karma abzuarbeiten. Das soll zuweilen auch vorkommen, und daher ist unsere Hilfe gleichfalls notwendig. Also einem Leidenden damit zu begegnen, daß man ihm sagt, er sei selber Schuld, geht nicht, und würde demjenigen, der es so herzlos sagt, nur selbst ein negatives Karma bescheren. Wer Behinderte verspottet, der kann im nächsten Leben selbst als Behinderter inkarnieren, um zu lernen, wie es ist, derart verspottet zu werden. Wir wollen die Karma- oder Örløg-Lehre allerdings auch nicht zu einer bloßen Vergeltungsrechnung werden lassen, sondern uns darüber bewußt werden, daß jeder Gedanke, jede Tat, ihre Auswirkungen und Folgen haben wird, im Guten wie im Schlechten.

 

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