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Der Gott Zamolxis

 

In verschiedenen antiken Quellen wird ein Gott oder Mensch Zamolxis erwähnt, der die heidnische Religion der Geten bzw. Thracer entscheidend reformiert hatte. Die Forscher sind sich nicht einig darüber, ob es sich dabei um einen Gott, einen Priester oder einen irgendwie vergöttlichten Menschen handelt. Auch die alten Quellen äußern sich unterschiedlich. An Quellen dazu sind vorhanden:

Hellanikos [gest. um 400 v. u. Zt.], nomina barbarica (4 F 73);
Herodot, Histories apodexis (IV, 94ff);
Platon, Charmides (156-158 );
Strabon [ca. 63 v. u. Zt. - 23 u. Zt.], Geographia (VII, 3, 5) ;
Jordanis, Getica (V, 39);
Apuleius [um 123 - 170 u. Zt.], Pro Se De Magia [Apologia] (2, 26);
Diodorus Siculus, Bibliotheca Historica (94, 2)
Porphyry [234-305 u. Zt.], Leben von Pythagoras (14);
Mnaseas von Patrae [um 200];
Diog. Laert. (8, 1);
Hesych.

Relativ ausführlich berichtet Herodot in seinem Werk Histories apodexis (IV, 94ff):

>Nur die Geten, die tapfersten und zugleich friedfertigsten unter den Thraken, boten ihm  [Dareios] Widerstand, wurden aber rasch bezwungen.
Mit ihrem Glauben an die Unsterblichkeit hat es diese Bewandtnis. Sie glauben, sie stürben nicht, sondern wer umkomme, der fahre auf zum Gott Salmoxis oder Gebeleïzis, wie einige ihn nennen. Alle vier Jahre entsenden sie einen aus ihrer Zahl, den das Los trifft, als Boten zum Salmoxis, um diesem zu sagen, was sie vom Gott begehren. Dies geschieht so: Einige stellen sich hin mit Wurfspeeren in der Hand, andere fassen den Mann, den sie entsenden wollen, an Armen und Beinen, schwingen ihn hoch in die Luft und lassen ihn auf die Spitzen der Speere fallen. Wird er aufgespießt und stirbt, glauben sie, der Gott sei ihnen gnädig gestimmt, stirbt er aber nicht, so geben sie dem Boten schuld, weil er ein feiger Mann sei, und senden an seiner Stelle einen andern aus. Ihre Aufträge aber geben sie ihm, wenn er noch lebt. Dieselben Thraken schießen auch, wenn es donnert und blitzt, mit Pfeilen zum Himmel hinauf und bedrohen den Gott und glauben, es gäbe keinen Gott außer dem ihrigen.
Wie ich aber von den Hellenen am Hellespont und Pontos erfahren habe, soll dieser Salmoxis ein Mensch und Sklave des Pythagoras, des Sohnes des Mnesarchos in Samos gewesen sein. Dann soll er freigeworden sein, sich dort ein großes Vermögen erworben haben und damit in sein Vaterland zurückgekehrt sein. Nun führten aber die Thraken ein ärmliches Leben und waren recht einfältig. Salmoxis hingegen war mit ionischer Lebensart vertraut und verstand sich auf Genüsse, die den Thraken zu fein waren; denn er hatte unter den Hellenen gelebt, und das sogar bei einem der weisesten Männer von Hellas, dem Pythagoras. So richtete er sich einen Saal her, worin er die Vornehmsten des Volkes aufnahm wie in eine Herberge, gab ihnen reichlich zu essen und zu trinken und unterrichtete sie dabei, daß weder er noch sie, seine Trinkgenossen, noch auch ihre Nachkommen sterben, sondern an einen Ort gelangen würden, wo sie ewig in Freuden und Überfluß leben würden. Während er aber so tat und sprach, grub er sich ein Gemach unter der Erde, und als es fertig war, verschwand er aus der Mitte der Thraken, stieg hinab in das unterirdische Gemach und verweilte dort drei Jahre. Sie beklagten und betrauerten ihn wie einen Toten. Aber im vierten Jahr erschien er wieder vor ihnen, und nun glaubten sie alles, was er ihnen sagte.
So wird von ihm erzählt. Ich will, was man von diesem unterirdischen Gemach sagt, nicht bestreiten, glaube aber auch nicht recht daran. Mir scheint aber, daß dieser Salmoxis um viele Jahre früher als Pythagoras gelebt hat. Jedoch, sei er ein Mensch gewesen oder eine einheimische Gottheit bei den Geten, genug von ihm.<

Soweit Herodot (500 – 424 v. u. Zt.). An dieser Schilderung ist einiges zu besprechen. Zamolxis wird hier zunächst als Gott der Thracer-Geten beschrieben (Herodot unterscheidet beide Stämme nicht richtig; beide sind auf jeden Fall Ostgermanen). Der Gott ist hier eindeutig ein Totengott. Herodot beschreibt dann die Durchführung eines Menschenopfers an diesen Gott. Das Opfer stirbt durch hingestellte oder hingehaltene Speere. Beides deutet auf den Gott Wodan hin, denn der Speer ist das Attribut Wodans und Wodan ist auch Totengott. Nur dem Wodan (Mercurius) wurden laut Tacitus auch Menschenopfer gebracht, nicht den anderen Göttern. Dieses Opfer fand alle vier Jahre statt und wurde erlost – auch die Runenlose sind dem Gott Wodan zugeordnet.

Herodot hängt nun eine weitere Geschichte von Zamolxis an, bei der der Gott als Lehrer für die Vornehmsten des Volkes erscheint – auch diese Funktion paßt sehr gut zum Gott Wodan, der ja der Gott der Edelen ist und Gott auch der Weisheit. Die Herberge, in der die Vornehmen gespeist wurden, erinnert dabei an Valholl, wo Wodan die Verstorbenen bei Sich bewirtet. Auch die Lehren, die Zamolxis hier gibt, beziehen sich auf den Tod und das Weiterleben der Seele, also typische Bereiche, für die Wodan zuständig ist.

Nun kommt allerdings eine Schilderung, die Zamolxis als Betrüger hinstellen will: Die unterirdische Höhle. Zamolxis hat also die Menschen getäuscht in der Absicht, daß sie an ihn glauben. Die Schilderung dieser Höhlengeschichte ist echt und mythisch: Die Höhle ist die Unterwelt. Der Gott begibt sich eine bestimmte zeitlang in diese Unterwelt. Von Wodan kennen wir einige derartige Schilderungen (etwa: Vegtamsqviða der Edda). Es kann hier also ein Göttermythos auf menschliche Dimensionen umgeschrieben worden sein. Forscher aber haben auch angemerkt, daß hier eine typische Initiationsschilderung vorliegt, die auch Menschen vollzogen haben. Noch heute kann man z. B. in Rom eine Mithras-Höhle und Initiationsstätte besichtigen, die für solche Rituale Verwendung fand.

Eine ähnliche Initiation wird in den nordischen Quellen auch vom Gott Yngvi-Freyr erzählt.

Die Rückkehr des Gottes aus der Unterwelt nach vier Jahren war ja offenbar der Anlaß für das alle 4 Jahre stattfindende Menschenopfer an den Gott.

Der Gott Zamolxis wird allerdings dann als Sklave und Schüler des Pythagoras bezeichnet, doch scheint bereits Herodot an dem Wahrheitsgehalt dieser Geschichte Zweifel zu haben, da beide zeitlich nicht zusammenpassen. Vielleicht wollte man einen fremden Kult an weiterer Ausbreitung hindern, indem man ihn derartig schlechtmachte.
Platon erwähnt in seinem Werk Charmides (156-158) Zalmoxis als Gott; wäre Zalmoxis ein Schüler Platons gewesen, hätte er das mit dem Stolz des Lehrers auf dn erfolgreichen Schüler sicher erwähnt:

>Gelernt aber habe ich ihn dort im Felde von einem jener Ärzte unter den Zamolxischen Thrakiern, von denen man sagt, sie könnten sogar unsterblich machen. Dieser Thrakier nun sagte, in jenem, was ich eben gesagt habe, hätten die Hellenischen Ärzte ganz recht, aber Zamolxis unser König, sprach er, der ein Gott ist, sagt, so wie man nicht unternehmen dürfe, die Augen zu heilen ohne den Kopf, noch den Kopf ohne den ganzen Leib, so auch nicht den Leib ohne die Seele, sondern dieses eben wäre auch die Ursache, weshalb bei den Hellenen die Ärzte [E] den meisten Krankheiten noch nicht gewachsen wären, weil sie nämlich das Ganze verkennten, auf welches man seine Sorgfalt richten müßte, und bei dessen Übelbefinden sich unmöglich irgend ein Teil wohlbefinden könnte. Denn alles, sagte er, entspränge aus der Seele, Böses und Gutes dem Leibe und dem ganzen Menschen, und ströme ihm von dorther zu wie aus dem Kopfe den Augen.<

Statt stolz über den erfolgreichen Schüler zu sein, gibt Platon vielmehr sogar den Rat, daß nicht auf Zalmoxis oder andere gehört werden müsse:

>Demnach also, wenn dir, wie Kritias sagt, die Besonnenheit schon eignet, und du hinlänglich besonnen bist, so bedarfst du ja weder des Zamolxis, noch Abaris, des Hyperboreers, Besprechungen mehr, sondern es kann dir gleich das Mittel für den Kopfschmerz selbst gegeben werden.<

Bei Mnases von Patrae heißt es, die Geten verehrten Kronos, den sie Zalmoxis nannten. Also auch hier ist Zalmoxis ein Gott, und Kronos (Chronos), der später mit Saturn gleichgesetzt wurde, entspricht in einigen Zügn Wodan.

Die Griechen am Hellespont machten aus Zamolxis einen Menschen, der unter anderem Ägypten bereist haben soll. Er soll dann als Gesetzgeber und Religionsstifter unter seinem Volke aufgetreten sein. Diodorius Siculus schrieb in seiner Bibliotheca Historica (94, 2):

>Man weiß, daß noch bei mehreren andern Völkern dieselbe Klugheitsregel angewendet worden ist, du daß der Glaube an ein solches Vorgehen einen sehr heilsamen Einfluß gehabt hat. So, erzählt man, habe bei den Arimaspen Zatharaustes dem guten Dämon seine Gesetzgebung zugeschrieben, ebenso bei den Geten, welche an die Unsterblichkeit der Seele Gauben, Zamolris der überall verehrten Besta, und bei den Juden Moses dem Gott, welcher Jav genannt wird; sey es nun, daß sie einen für die menschliche Gesellschaft heilsamen Rath für wunderbare und wahrhaft göttliche Eingebung hielten, oder daß sie nur das Volk durch die Hinweisung auf die Macht und Hoheit der vorgeblichen Urheber ihrer Gesetze zum Gehorsam williger zu machen dachten.<

Vermutlich wollten die Griechen Zalmoxis irgendwie für sich vereinnahmen, vielleicht ist ihnen auch die Ähnlichkeit der Lehren von Zamolxis mit denen von Pythagoras aufgefallen, so daß sie kurzerhand Zamolxis zu einem Schüler des Pythagoras machten. Die Philosophen waren von dem Unsterblichkeitsglauben der Geten begeistert und wollten ihn wohl auch für sich vereinnahmen. Hippolytus von Rom (gest. 235) nennt Zalmoxis in seiner Schrift "Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium I) sogar eine Lehrer der Druiden:

>Pythagoras starb den Feuertod zu Kroton in Italien zugleich mit seinen Schülern. Bei ihm war es Brauch, daß, wer zu ihm kam, um sein Schüler zu werden, sein Hab und Gut verkaufte und das Geld versiegelt bei ihm hinterlegte. Ein solcher hatte dann bald drei, bald fünf Jahre Stillschweigen zu halten und zu lernen. Nach Ablauf dieser Probezeit durfte er entweder weiterhin Schüler bleiben, an der Gesellschaft der anderen und am gemeinsamen Tisch teilnehmen, oder aber er erhielt sein Eigentum zurück und wurde entlassen. Die Esoteriker hießen Pythagoreer, die anderen (die Exoteriker) Pythagoristen. Aus dem Brande entkamen des Pythagoras Schüler Lysis und Archippos sowie sein Diener Zamolxis, der die keltischen Druiden die pythagoreische Philosophie gelehrt haben soll. Die Kenntnis der Zahlen und der Maße soll Pythagoras von den Ägyptern gehabt haben. Er empfing von der gut begründeten, blendenden und schwer zugänglichen Weisheit der ägyptischen Priester einen tiefen Eindruck, führte nach ihrem Vorgang Stillschweigen bei seinen Schülern ein und ließ sie in unterirdischen Räumen ein zurückgezogenes Leben führen. <

Es heißt, daß Zamolxis nach seinem Tode zu den Göttern aufgestiegen sein soll und dann göttergleich verehrt wurde. Platon nennt Zamolxis in dem zitierten Text "Gott", ein Gott der Toten und der Mysterien (Platon, Charmides, 156-158). Er soll ein Fachmann in der Kunst der Beschwörung sowie auch ein hervorragender Arzt gewesen sein, der einen ganzheitlichen Ansatz zur Heilung von Geist und Körper hatte, und nicht nur den Körper heilte, wie es die griechische Praxis lehrte. Erst nach seinem Tod sei der um ihn betriebene Kult zur Religion geworden.

Zamolxis ist also eindeutig eine Gottheit und sehr wahrscheinlich ein Name Wodans. Denn die Geten als Stamm der Goten verehrten Wodan als höchsten Gott und ihr Name (Goten, Geten) stammt vom Wodansnamen Gaut, es wäre also merkwürdig, wenn sie diesen Gott nicht verehrt hätten. In den Überlieferungen kommen die Namensformen Ζάλμοξις (Zalmoxis), Ζάμολξις (Zamolxis), Ζάλμολξις (Zalmolxis) sowie Σάλμοξις (Salmoxis) und Σάμολξις (Samolxis) vor. Herodot nennt ihn auch Γεβελειξιυ (Gebeleixin), das auf Grund der eigentümlichen Wiedergabe thracischer Wörter als *  Ζεμελειξιν (Zemeleixin) gelesen werden darf und das auffällig zum baltischen Götternamen Zemeluks stimmt. Der Name hängt mit baltisch *gh(e)m *ghð(e)m, griech. χθώυ "Erde" zusammen, vgl. ostwandalisch. zemlja "Erde". Somit ist Zamolxis offenbar eine Erdgottheit. Das scheint zu Wodan nicht recht zu passen, den wir doch als Himmelsgott kennen. Allerdings schreibt bereits Tacitus in der Germania von einem "erdentsprossenen" Gott Tuisco. Dieser Gott ist Wodan, und zwar entspricht der Name bei Tacitus, Tuisco, dem späteren eddischen Namen Tveggi ("der Zwiefache", Óðinn). Es ist durchaus möglich, daß die Geten Wodan gerade unter diesem Erd- und Totenaspekt verehrt haben.  J. Grimm übersetzte den Namen  Zalmoxis aus den Begriffen "Zalm" (Salm, Hialm = Helm) und axis (Alcis, Schützer). Schon dieser Name ist also ein Odinsname (Hialmberi) und bedeutetv "Helmträger" oder "Helmschützer".

In den überlieferten Handschriften gibt es mehrere Schreibweisen. Die meisten davon bevorzugen „Zalmoxis“, in späteren Etymologien aus dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung taucht oft die Version „Zamolxis“ auf. Er war für die Geto-Thracer das Sinnbild des heiteren Himmels, der ihnen ewiges Leben verhieß. Sie glaubten, daß die Seele nach dem Tode zu diesem Gott gelangte, der im Berge sitze. Dieser Glaube stärkte die Kampfkraft der geto-thacischen Truppen, denn die Verheißung des ewigen Lebens verlieh ihnen die sprichwörtliche Todesverachtung. Bestandteile des rumänischen Volksglaubens, Elemente der Volksheilkunde, Totenrituale, Beschwörungsformeln und Volkstänze wie die Hora reichen weit in die thrakische Vergangenheit zurück. Wegen des Unsterblichkeitsglaubens machten ihn Historiographen auch zum Urheber des Druidenkultes. Es gab aber noch weitere getisch-thracische Götter, u. a. Bendis, Mendis, Derzelas, Derzis und Kotys.

Warum ist nun diese Überlieferung auch für uns Altheiden so interessant? Weil der Gott die heidnische Religion der Geten reformierte, und diese Reformen auch für uns durchaus Bedeutung haben sollten. Strabon, schreibt in seiner "Geographia" (VII, 3, 5):

>Man erzählt nämlich, daß ein Gote namens Zamolxis bei Pythagoras gedient und sowohl von ihm als von den Ägyptern, bis zu denen er auf seinen Wanderungen auch geraten war, manches aus der Himmelskunde gelernt habe. In die Heimat zurückgekehrt aber habe er als Ausleger der Vorbedeutungen bei den Fürsten und dem Volk in großem Ansehen gestanden und zuletzt den König beredet, ihn als einen Mann, der geschickt sei, den Willen der Götter zu verkünden, zum Teilnehmer an der Regierung zu machen. Anfangs nun, sagt man, wurde er zum Priester des bei ihnen verehrtesten Gottes bestellt, später aber selbst für einen Gott erklärt, und nun wählte er sich eine allen anderen unzugängliche Höhlengegend und hielt sich daselbst auf, selten mit der Außenwelt verkehrend, außer mit dem König und dessen Dienern. Der König aber unterstützte ihn, weil er sah, daß ihm die Leute jetzt viel mehr gehorchten als früher, in der Meinung, daß er seine Befehle nach dem Rat der Götter erlasse. Diese Sitte nun hat bis auf unsere Zeit herab bestanden, indem sich immer ein Mann von solcher Eigenschaft vorfand, der dem König als Ratgeber diente, von den Goten aber ein Gott genannt wurde. Auch der Berg wurde für heilig gehalten und der heilige genannt. Sein eigentlicher Name aber war gleich dem des vorbeifließenden Flusses Kogäonum. Selbst als Byrebistas die Goten beherrschte, gegen den der göttliche Caesar schon einen Feldzug vorbereitete, hatte Decäneus noch diese Würde, und vielleicht hat sich auch die pythagoreische Sitte, sich alles Lebendigen zu enthalten, als eine vom Zamolxis eingeführte erhalten.<

Der Fluß Kogäonum ist wahrscheinlich der heilige Fluß und Berg Gogany bei Mika. In diesem Text scheint die Schilderung eines obersten Stammespriesters, der den König berät, mit der des Gottes vermischt zu sein. Aber wir erfahren, daß der Gott Zamolxis, also Wodan, die vegetarische Ernährung eingeführt hatte. Das stimmt dann auch mit der Edda (Grimnismál 18f) überein, wo ja von Óðinn gesagt wird, daß Er keine Speise zu Sich nehme. Dies wird im Zusammenhang mit dem Schlachten des Ebers Sæhrímnir erwähnt, es geht also auch darum zu sagen, daß Óðinn kein Fleisch ißt:

>Andhrímnir läßt in Eldhrímnir
Sæhrímnir sieden,
Das beste Fleisch; doch erfahren wenige,
Was die Einherjer essen.

Geri und Freki füttert der krieggewohnte
Herrliche Herjaföðr;
Da nur von Wein der waffenhehre
Óðinn ewig lebt.<

Wenn wir uns von Augen halten, daß es der Gott Wodan war, der bei den Geten die vegetarische Ernährung eingeführt hatte und die Astrologie lehrte, dann bekommt das für uns natürlich eine besondere Bedeutung und es sollte auch uns als Vorbild dienen. Strabon berichtet sogar vom ganzen Stamme der Goten, der sich fleischlos ernährte (Geographia III, 2f):

>Die Griechen nämlichhielten die Goten für Thraker. Es wohnten sowohl diese auf beiden Ufern der Donau wie auch die Mysier, die ebenfalls Thraker sind und jetzt Mösier heißen (...) Posidonius berichtet, die Mysier enthielten sich auch aus Frömmigkeit alles Lebendigen, folglich auch des Zuchtviehs, und genössen, in Ruhe lebend, nur Honig, Milch und Käse, und deshalb hießen sie gottesfürchtige und Kapno'bata.<

Auch Jordanis erwähnt in seiner "Getica" (V, 39) den Zamolxis, allerdings nur als König:

>In der zweiten Zeit, d. h. nachdem sie in Dazien, Thrazien und Mösien saßen, erwähnen sehr viele Geschichtsschreiber bei ihnen den Zalmoxes als einen in der Philosophie ausnehmend unterrichteten Mann. Schon vor diesem hatten sie den Zeuta, einen weisen Mann, nachher noch den Dicineus, als dritten den Zalmoxes, von dem ich oben gesprochen. Auch hatten sie reichlich Lehrer der Weisheit. Daher waren die Goten stets gebildeter als fast alle andern Barbaren und kamen nahezu den Griechen gleich.<

Der Stamm der Goten ist nach Gaut benannt, einem Beinamen Wodans. Wenn also Goten Zamolxis als höchsten Gott verehrt haben, dann ist es recht wahrscheinlich, daß es sich um den Gott Wodan handelt; der Wechsel vom Wodanskult zu einem völlig fremden vergöttlichten Menschen ist sehr unwahrscheinlich. Zamolxis wird außerdem auch bei Apuleius (Pro Se De Magia [Apologia] 2,26) in Zusammenhang mit der Magie und Porphyry (Leben von Pythagoras 14) erwähnt.

 

Säulenbild von Aleksandrovo, Kurgan (Bulgarien). Ganz rechts: Zalmoxis (?)

 

Es gibt kein Bild von Zamolxis, doch bringen einige Interpreten eine antike Abbildung eines nackten Mannes mit einer Axt in der Hand mit ihm zusammen (siehe Bild). Es handelt sich dabei um ein thracisches Säulenbild von Aleksandrovo, Kurgan (Bulgarien) aus dem 3. Jh. v. u. Zt.. Ich sehe allerdings keinen Grund, dieses Bild auf den Gott zu beziehen, der hier mit seiner Axt einen Eber erschlagen will. Es scheint sich eher um Hercules und den erymanthischen Eber zu handeln. Mit dem Gott Zalmoxis hat es wohl nichts zu tun.

© Allsherjargode Géza v. Nahodyl Neményi 2012